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  • 1. Ausschreibung des Jugend-Demokratiefonds Berlin 2017

    Das Landesprogramm "STARK gemacht! - Jugend nimmmt Einfluss" nimmt ab sofort Anträge in der ersten Förderrunde für das Jahr 2017 entgegen. Damit Ihr mit Euren Ideen für mehr jugendliches Engagement und für ein demokratischeres Miteinander nicht auf dem Trockenen bleibt, fördert der Jugend-Demokratiefonds Berlin Projekte mit bis zu 15.000 Euro! Einsendeschluss ist der 22. Januar 2017. [mehr]

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Berlin-Mitte: Süd - Wohn- und Gewerbegebiet mit Tradition und Zukunft

Lützowplatz 9, gestern und heute

Es ist nur ein paar Gehminuten von Berlins neu gestalteter Mitte am Potsdamer Platz, dem Tiergarten und dem Kulturforum entfernt – trotzdem ist  Berlin-Mitte in Tiergarten Süd irgendwie anders.

Das Gebiet kann viele Spuren der Geschichte vorweisen. Das ist zunächst der Glanz des großbürgerlichen Berlins, das hier zum Ende des 19. Jahrhunderts hochherrschaftliche Häuser baute und mit Literarischen Salons Berühmtheiten wie Theodor Storm, Gottfried Keller und Adalbert v. Chamisso anzog.

Damals entwickelte sich die Potsdamer Straße als eine Achse der Wissenschaft und der Kultur, die in der Aufbruchstimmung der 20er Jahre zahlreiche Schriftsteller, Publizisten, Maler, Bildhauer und Musiker anzog. Es entstand eine der nobelsten Wohnadressen Berlins.

Unter der Leitung von Herwarth Walden erschien z.B. 1910-1932 die Zeitschrift DER STURM, führende Zeitschrift des Expressionismus mit Sitz in der Potsdamer Straße; hier wurde neben anderen epochemachenden Ereignissen die erste internationale Kunstausstellung „Erster Deutscher Herbstsalon” präsentiert.

Aber es kamen der Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg, die diesen Entwicklungen ein Ende setzten. Für die Planung der „Welthauptstadt Germania“ des Architekten Albert Speer sollte die geplante Nord-Süd-Achse durch das Tiergartenviertel führen. Viele großbürgerliche Villen wurden abgerissen, entlang der Tiergartenstraße entstand ein neues „Diplomatenviertel“.

Die Bomben des zweiten Weltkriegs zerstörten dann großflächig das alte Zentrum Berlins von denen auch Tiergarten Süd schwer getroffen wurde.

Die Teilung Berlins und der Bau der Mauer 1961 brachten das Quartier in eine Stadtrandlage: die Potsdamer Straße führte nicht mehr ins Zentrum der pulsierenden Großstadt Berlin, sondern übernahm die Funktion einer stark frequentieren nord-südlichen Verkehrsachse.

Die „Potse“, wie die Straße liebevoll genannt wird, entwickelte samt ihrer Umgebung ein Schmuddelimage, dem viele Alteingesessene dennoch trotzten, andere kamen hinzu. Es entfaltete sich wieder das „Rotlichtmilieu“, bekannt schon aus der Vergangenheit.

Größeres plante Hans Scharoun: für das Gebiet südlich des Tiergartens entwickelte er die „Visionen einer organischen Stadt“ die er als eine bauliche „Stadtlandschaft“ umsetzen wollte. Zunächst entstanden die Philharmonie und die Neue Staatsbibliothek, es folgten Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie, später das Kunstgewerbemuseum, die Gemäldegalerie und der Kammermusiksaal: bekannt als das KULTURFORUM.

Genthiner, Potsdamer und Lützowstraße

Das von Anfang an umstrittene stadtplanerische Konzept des Kulturforums ist trotz vielfältiger Planungen des Berliner Senats bis heute nicht vollendet, eine Verbindung zum Wohn- und Gewerbegebiet südlich des Landwehrkanals fehlt.

Das Kriegsbombardement hatte auch das Wohn- und Gewerbegebiet im Umfeld der Lützow-, Pohl- und Kurfürstenstraße schwer beschädigt. Die Narben sind bis heute als Stadtbrachen z.B. in der Kurfürstenstraße sichtbar. Die Stadtplanung für den Wiederaufbau orientierte sich zunächst an dem Konzept der „funktionalen Stadt“, das „zentrale Verkehrsprojekte“ realisieren wollte. Dafür waren großräumige Straßenverbindungen vorgesehen, die wieder den Ab-riss von Gebäuden nach sich zogen.

Wichtige Impulsgeber für einen Neubeginn in Tiergarten Süd waren nach dem Krieg vor allem Verlage: die erste Ausgabe des Tagesspiegels erschien hier bereits 1945. Dem Tagesspiegel folgte 1946 „Der Abend“ als regionale Tageszeitung Berlins. Später kamen Rowohlt Verlag, de Gruyter Verlag, Rotbuch Verlag, das Stadtmagazin Tip und das Anzeigenmagazin „Zweite Hand“ in die Potsdamer Straße. An der Lützowstraße entstand ein Vertriebszentrum des Buchhandels.

Das ist inzwischen Geschichte: bis Oktober 2009 hat der Schriftzug TAGESSPIEGEL auf dem Dach des Gebäudes in der Potsdamer Straße das Bild der Potsdamer Straße geprägt. Als letzter der großen Verlage hat auch der Tagesspiegel seinen Geschäftssitz aufgegeben und ist in sein neues Domizil am Askanischen Platz umgezogen.

Ein baulicher Perspektivenwandel kam für das Gebiet in den 80er Jahren: im Rahmen der IBA (Internationale Bauausstellung) wurden großflächig Instandsetzungen, Sozialer Wohnungsbau und Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau von Kitas, Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulen umgesetzt. Historischen Vorgaben folgend wurden im westlichen Teil alte Stadtvillen wie z.B. das Café Einstein integriert. Im östlichen Gebietsteil entstanden, analog zur früheren Bebauungsstruktur, hoch verdichtete Wohnanlagen, wie zum Beispiel die Quartiere Am Karlsbad und in der Pohlstraße.

Die Wiedervereinigung 1990 hat dann dem Gebiet neue Entwicklungsschübe gebracht – wenn auch anders als zunächst zu vermuten war: die Berliner Stadtentwicklung der 90er Jahre konzentrierte sich auf den Aufbau der Hauptstadt. Tiergarten Süd musste den Wegzug von 50% der angestammten Wohnbevölkerung verkraften.

Es kamen viele andere Bewohner: Menschen mit niedrigerem Einkommen, Flüchtlinge, Spätaussiedler, Beschäftigungssuchende aus fernen Ländern. In deren Gefolge siedelten sich türkische, arabische, thailändische, indische… Gewerbetreibende an, kleine und größere Läden des täglichen Bedarfs, Lebensmittelhändler, Frisöre und Imbissbetriebe. Dies in unmittelbarer Nachbarschaft z.B. neben der seit Generationen als Familienbetrieb geführten Fleischerei Staroske oder dem Devotionalienladen Ave Maria, welcher einem breiten katholischen Kundenstamm religiöse Plastiken, Rosenkränze oder Weihrauch anbietet.

Ein besonderes Flair ist in Tiergarten Süd entstanden: als Kontrastprofil zwischen Arm und Reich, Bildungsbürgertum und Zugereisten, Künstlern und ausländischen Großfamilien, Wohnbevölkerung und Gewerbetreibenden, Kneipen und Billigläden. Es ist das Heterogene, Unfertige, Anspruchsvolle, Einfache, Bodenständige, Multikulturelle… kurz: das Widersprüchliche und Vielfältige, das zunehmend an Anziehungskraft gewinnt.

Eine Zukunft hat schon begonnen: Tiergarten Süd entwickelt sich zusehends zu einem Medien- und Kulturstandort. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die Aktivitäten des Quartiermanagements (Vgl. S. 8, 9)

mitte(n)dran 01 - text: B.W.