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"Boulevard Potsdamer Straße" - Ergebnisse von Diskussionsveranstaltung und Workshops

Boulevard Potsdamer Straße - was ist das, und vor allem: Wo soll das sein? Etwa der von Billigketten und sozialen Brennpunkten gesäumte, rotbelichtete Straßenabschnitt zwischen Potsdamer Platz und Kleistpark? Die Potsdamer Straße, die als Bundesstraße 1 augenscheinlich den halben Berliner Nord-Süd-Verkehr samt Schwerlastverkehr abwickelt?
Genau diese Potsdamer Straße hält das Büro TOPOS für boulevardfähig. Das Planungsbüro TOPOS ist in einer Gemeinschaftsaktion der Quartiersmanagents Schöneberg Nord und Magdeburger Platz beauftragt worden, die Vision eines neuen Erscheinungsbildes der Potsdamer Straße zu entwerfen und mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden auf ihre Brauchbarkeit zu überprüfen.

Am 29.10.2002 hat TOPOS seine Leitgedanken zur Zukunft der Straße im Konferenzsaal der Commerzbank vor großem Publikum vorgestellt. Der Gedanke des "Boulevards" klingt erst mal nach Paris, Boutiquen und vielleicht auch nach Kurfürstendamm. Gemeint ist zunächst aber etwas Ursprünglicheres: Dass man sich gerne in der Potsdamer Straße aufhält. Und dass jeder sofort erkennt, dass die Potsdamer Straße etwas ganz Eigenes, Unverwechselbares ist.

Auf dem weiten Weg dahin sind die ersten wichtigen Schritte sichtbar geworden. Vorgeschlagen wird die Neugestaltung der Straßenraumaufteilung mit einer verbreiterten Busspur, die den Fahrradverkehr mit aufnehmen kann, breiteren Gehwegzonen mit einzelnen Sitzgelegenheiten und insbesondere im Schöneberger Teil ein zusätzliches Parkplatzangebot. Lichtinstallationen und Kunst könnten Fassaden aufwerten und die Potsdamer Brücke als wichtige, derzeit aber nicht funktionierende Verbindung zu den Menschenströmen am Kulturforum und auf dem Potsdamer Platz inszenieren.

Dass das Thema "Kunst und Kultur" für den Gewerbestandort und auch für den Wohnort Potsdamer Straße eine besondere Bedeutung spielen könnte, wurde in der weiteren Diskussion mehrfach deutlich. Insbesondere auf dem zweiten Workshop zum "Boulevard Potsdamer Straße" am 04.11.2002 im "Pallast" an der Pallasstraße nahm die teilweise glorreiche, teilweise auch düstere Historie der Straße und die Chancen einer künstlerischen Aufbereitung breiten Raum ein. Dabei war weniger ein "Museum Potsdamer Straße" gefragt, als vielmehr die originelle Weiterverarbeitung und Inszenierung des Vergangenen im Straßenraum.

Alle Probleme werden sich dabei mit Sicherheit nicht von heute auf morgen verflüchtigen. Weder ist auf diesem Wege die Blechlawine durch die Innenstadt zu verhindern, noch wird die Straßenbahn schneller über die Potsdamer Straße geführt werden. Die Gewerbemieten werden weiterhin über dem liegen, was die meisten Einzelhändler in der Straße erwirtschaften können, und die Kaufkraft der Anwohner wird sich ebenfalls nicht ruckartig erhöhen.

Dennoch liegen nun eine ganze Reihe von Ideen auf dem Tisch, wie die "Potse" auf ihre alten Tage doch wieder ein wenig Glanz versprühen kann. Ein Glanz, der den einen oder anderen Besucher mit dem nötigen Geld in die Straße lockt, so dass die Gewerbetreibenden überleben können und das eine oder andere neue, interessante Gewerbe einzieht, das wieder neue Besucher anlockt, die etwas mehr Geld hier lassen...




Text: Lutz Sepke - Quartiersblatt; Foto: sho