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"Boulevard der Bänke" - eine Idee mit vielschichtigem Nutzen


Die Potsdamer Straße – ein Boulevard? Ließe sich die Straße mit ihrer spannenden Vergangenheit in diese Richtung entwickeln?
 
Ein Gutachten der Stadtentwicklungsgesellschaft TOPOS kam zu dem Ergebnis, dass die Straße das Zeug dazu hat. Doch nichts kommt von alleine.
Seit vielen Monaten verfolgt der Steinbildhauer Ugur Özbay eine Idee, die der Potsdamer Straße einen Schub in diese Richtung geben könnte und darüber hinaus gleich mehrere auch vom Quartiersmanagement verfolgten Strategien für die gesamte Gegend unterstützt. An der Umsetzung der Idee "Boulevard der Bänke" wären viele Bürger beteiligt, sie würden etwas für ihre Straße tun. Und darüber hinaus, würden die Bänke gewissermaßen die Brücke über die Brücke schlagen und die Potsdamer Straße mit dem Kulturforum verbinden.

Am Anfang war das Buch, und das Buch ist Stein geworden. Schon seit längerer Zeit sind Bücher das Thema, das Ugur Özbay plastisch bearbeitet. Vor der Stadtteilbibliothek in der Lützowstraße ist eines seiner Kunstwerke, das Granitbuch, zu sehen.
Während der Arbeit an diesem Granitbuch in seinem Atelier in den U-Bahn-Bögen in der Pohlstraße konnten dort Jugendliche des benachbarten Jugendclubs verfolgen, wie der Künstler den Riesenstein bearbeitete und der so nach und nach immer mehr aussah wie ein Buch. Und als die Plastik schließlich fertig war und an seinen Bestimmungsort transportiert wurde, seien, so Özbay, die Jugendlichen beinahe traurig gewesen.
Damals kam ihm die Idee, einerseits Kurse als Einführung in die Steinbildhauerei anzubieten, und andererseits ein Projekt zu verfolgen, an dem möglichst viele Bewohner mitmachen können.

Die Potsdamer Straße ist eine Hauptverkehrsstraße und wird vor allem als solche wahrgenommen und erlebt. Ein Boulevard jedoch will mehr sein als das. Ein Boulevard will eine Bühne sein, ein Laufsteg, ein öffentlicher Raum, in dem man auftritt. Ein Boulevard will den Menschen mehr Zeit nehmen, als diese brauchten, um von hier nach da zu kommen. Ein Boulevard will die Menschen einladen, sich auszuführen und aufzuführen, und in diesem Sinne muss er auch Plätze anbieten, von denen aus dem Spektakel zugeschaut werden kann. Mit anderen Worten: Ein Boulevard braucht Bänke.


Eine Bank auf der Brücke?

Das besondere an dieser Idee zur Straßenmöblierung der Potsdamer Straße liegt in den unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten der Bänke je nach dem Ort, an dem sie aufgestellt werden. Vor der Staatsbibliothek jenseits der Potsdamer Brücke könnte beispielsweise eine Bücherbank aufgestellt werden. Die ist auch schon fertig und wird aus Mitteln, die der Quartiersrat zu vergeben hat, finanziert.
 
Nach den ersten Überlegungen des Bildhauers sollte von jeder Bank aus die nächste Bank zu sehen sein. Ideal wäre demnach also eine Bank direkt auf der Brücke. Vor dem Tagesspiegel könnte eine Bank aus gestapelten oder zusammen geschnürten Zeitungen und vor dem türkischen Supermarkt eine mit der Brücke über den Bosporus als Relief aufgestellt werden. Die individuelle künstlerische Gestaltung der Bänke soll durchaus konkrete Hinweise auf den kulturellen und sozialen Zusammenhang des Standortes anbieten.
 
Und dennoch werden die Bänke keine beliebige Aneinanderreihung individueller Ideen sein. Sowohl das Material als auch die Ausmaße werden die Bänke als zusammen gehörendes Projekt erscheinen lassen. Alle Bänke werden aus Granit sein und sich in den Farben zwischen schwarz, weiß, rot und gelb unterscheiden. Ugur Özbay wünscht sich, dass die Zusammenarbeit während der Umsetzung des Projekts die Kontakte von Anwohnern, Geschäftsleuten, Hausbesitzern und Institutionen intensiviert und die Nachbarschaft fördert. Und darüber hinaus sehen die Menschen Dinge, an denen sie selbst beteiligt waren, mit ganz anderen Augen, möglicherweise sogar mit Stolz.


Sinnvolle Arbeit für auszubildende Jugendliche

Bisher ist das Projekt schon auf viel Zustimmung gestoßen, 120 Befürworter hat Ugur Özbay gezählt, unter anderem die Deutsche Bank, das St. Elisabeth Krankenhaus, das Landesarbeitsgericht, aber auch die Schulen, das Lernhaus und verschiedene andere Institutionen und vor allem Geschäftsleute, die immer ein Interesse daran haben, dass ihre Straße ins Gespräch kommt und aufgewertet wird.
Eine Art Skulpturenboulevard könnte beispielsweise durchaus auch in Fremdenführern erwähnt werden – der Phantasie, wie sich die Potsdamer Straße mit Hilfe einer solchen Kunstaktion vermarkten ließe, sind keine Grenzen gesetzt.

Es gibt aber nicht nur ideelle Unterstützung, sondern auch materielle. Die drückt sich zwar noch nicht in Euro und Cent aus, aber die Stahlfußkonstruktionen werden beispielsweise junge Leute des Jugendausbildungsträgers "Christliches Jugenddorf" schweißen, die dann mit dieser Arbeit erleben, dass die Dinge, die sie in ihrer Ausbildung herstellen, auch tatsächlich gebraucht werden und nicht im Lager landen.


Jetzt müsste der Bezirk helfen

Der Nutzen der Bänke wäre also sehr vielschichtig. So ist es nicht verwunderlich, dass die Idee auch im Bezirksamt Mitte Anklang findet. Eigentlich könnte es schon losgehen. Doch noch konnte das Amt für Straßen und Grünflächen die Aufstellungsgenehmigungen nicht erteilen. Die sind aber Voraussetzungen für den nächsten Schritt. Denn aller guter Wille – auch der zum finanziellen Engagement – wird gebremst, wenn eine fehlende Unterschrift der Behörden die Sache noch unsicher aussehen lässt.

Immerhin kostet eine Bank so um die 4.000 Euro. Und die legt niemand auf den Tisch, solange nicht sicher ist, dass die Bänke dann auch aufgestellt werden. Die organisatorische Leitung des Projekts hat Michael Klinnert vom Quartiersmanagement übernommen, als nächstes soll ein fester Förderverein gegründet werden, der die ganze Sache begleitet. Die künstlerische Leitung liegt bei dem, der die Idee hatte, bei Ugur Özbay, in dessen Atelier Ur-Art in der Pohlstraße 11 im U-Bahnbogen 8 die Bänke auch produziert werden.


LOS-Projekt zur Unterstützung

Eines der acht für die dritte Förderperiode von einer Jury ausgewählten LOS-Projekte (Lokales Kapital für Soziale Zwecke) soll die Weiterentwicklung der Idee "Boulevard der Bänke" weiter vorantreiben und an der Vernetzung aller Befürworter, Interessenten, Bürger, Hauseigentümer und Geschäftsleute arbeiten. Die intensive Zusammenarbeit wird die Identifizierung der hier lebenden oder arbeitenden mit dem Quartier steigern.



text/fotos: Burkhard Meise (QB 27)