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  • 1. Ausschreibung des Jugend-Demokratiefonds Berlin 2017

    Das Landesprogramm "STARK gemacht! - Jugend nimmmt Einfluss" nimmt ab sofort Anträge in der ersten Förderrunde für das Jahr 2017 entgegen. Damit Ihr mit Euren Ideen für mehr jugendliches Engagement und für ein demokratischeres Miteinander nicht auf dem Trockenen bleibt, fördert der Jugend-Demokratiefonds Berlin Projekte mit bis zu 15.000 Euro! Einsendeschluss ist der 22. Januar 2017. [mehr]

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Central-Park oder noch ein Potsdamer Platz?

 
Die Bahn AG sattelt am Gleisdreieck noch einmal drauf   
 
Was lange währt wird endlich – nicht gut. Der Rahmenvertrag für die Bebauung des Gleisdreiecks sei unterschriftsreif, heißt es. Doch noch bleiben die Füller zu. Da ist wohl was dazwischen gekommen. So könnte es – auf ein paar Jahre kommt es nun auch nicht mehr an – noch ein bisschen länger währen. Und doch noch gut werden? Oder zumindest besser als bisher geplant?
 
Seit beinahe dreißig Jahren kämpft Norbert Rheinländer mit der Bürgerinitiative Westtangente für eine sinnvolle Verkehrs- und Stadtplanung in Berlin. Das Gleisdreieck- Gelände ist nur ein Teilabschnitt der lange aus den Köpfen der Stadtplaner nicht zu verdrängenden Nord-Süd-Trasse. Anfang der 80er Jahre wurde der Plan, den Autobahnring West-Berlins zu schließen, nach massivem Druck der Öffentlichkeit, dann doch fallen gelassen.
 
Seitdem kämpfen Bürgerinnen und Bürger um einen großen Park auf dem Gleisdreieck- Gelände. In der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck sind insgesamt acht Initiativen und Verbände aktiv, neben der Bürgerinitiative Westtangente e.V. unter anderen auch der Stadtteilverein Tiergarten e.V. und der Landesverband BUND e.V.

Die Frischluftschneise
 
Eine Ankoppelung der verschiedenen Parkanlagen zu einem grünen Flur durch die dichte Hauptstadt, das ist die Idee. Von Süden entlang der Bahntrassen kommend, über das Gelände des Gleisdreiecks, vorbei am Tempodrom, entlang dem grünen "Prachtgleis" am Potsdamer Platz, dem Lennédreieck, dem Brandenburger Tor, dem Reichstag bis zum Humboldthafen und dann weiter auf dem Uferwanderweg entlang dem Spandauer Schifffahrtskanal bis zum Volkspark Rehberge in Wedding oder entlang der Spree durch Moabit bis zum Schlosspark Charlottenburg könnte, wer gut zu Fuß ist, wandern – das ist die Chance.
 
Doch es geht keineswegs darum, "unser Land als einen kollektiven Freizeitpark zu gestalten" (Helmut Kohl), sondern vor allem darum, dass auch für Menschen in den großen Städten die Luft zum Atmen überlebenswichtig ist. Das heißt, die Abgase müssen raus. Auch dann, wenn die Wetterlage einen Abzug nach oben unmöglich macht. Dafür braucht eine Stadt Frischluftschneisen, durch die der Wind weht, die Luft reinigt und das innerstädtische Klima davor bewahrt, künstlich aufgeheizt zu werden. Eine Umweltverträglichkeitsstudie aus den Jahren 1993/94 hat ergeben, dass durch die Block- und Hochbauten am Potsdamer Platz das Klima schon erheblich beeinträchtigt wird. Die Tatsache, dass die Kaltluft teilweise umgeleitet wird, wirkt sich im Jahresdurchschnitt um ein bis zwei Grad Celsius aus.
 
Nun neigen Grundstückseigentümer dazu, Quadratmeterpreise für eine härtere Realität zu halten, als den Bedarf an innerstädtischen Grünflächen und Parkanlagen. Die sind in ihren Augen eher weiche Freizeitwünsche. Das mag natürlich damit zusammenhängen, dass sie selbst nicht selten am Rande der Stadt leben, und deshalb kein persönliches Verhältnis zum Mangel an unbelasteten Erholungsflächen entwickeln können. Aber das dürfte nur zu einem geringen Teil mitentscheidend sein. Wahrscheinlicher ist, dass der starr in den Bilanzen vergrabene Kopf bei jeder roten Zahl Anspannung und Stress empfindet, und eine schwarze Zahl für Entspannung und Erholung sorgt, für mehr Labsal als ein Lungenzug relativ frischer Luft jedenfalls und eine kurze Zeitspanne, in der das Auge weder rote noch schwarze Zahlen sieht, sondern überhaupt keine Zahlen und die auch noch in dem beruhigenden Grün.
 

Eigentum?
 
Grundstückseigentümer neigen auch dazu, sich anderen gegenüber benachteiligt zu fühlen, wenn sie aus ihrem Eigentum nicht den größtmöglichen Profit herausschlagen können. Und je größer die Grundstücke, desto größer die Neigung der Eigentümer.
Das Grundstück, um das es hier geht, ist groß. Sehr groß. Man misst es in Hektar (ha) und nicht in Quadratmetern. Und die Eigentümerin ist die Bahn AG. Oder sagen wir es mal so: Dieses Gelände war Bahngelände. Das heißt, es stand der Reichsbahn, dann der Bundesbahn und heute der Bahn AG für Verkehrswege oder den Bahnbetrieb zur Verfügung. Solange die Bahn ein Staatsbetrieb war, galt sie als Träger öffentlicher Belange. Inzwischen ist die Bahn aber ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Und als solches ist sie nun auch Eigentümerin großer Flächen geworden, die früher einmal für den Bahnbetrieb vorgesehen waren. Und als solches will sie zwar mit den öffentlichen Belangen Geld verdienen, muss aber auch wirtschaftlich arbeiten, und das heißt vor allem an sich selbst denken. Die Zahlen sind rot und machen Stress. Da könnte ein sattes Grundstücksgeschäft schon für eine kleine Erholungspause sorgen.
 
Nun gibt es aber schon seit vielen Jahren einen Flächennutzungsplan und seit einigen Monaten einen Rahmenvertrag Gleisdreieck. Sah der Flächennutzungsplan noch eine Baufläche von 11 ha vor, ist in dem Rahmenvertrag schon von 21 ha die Rede, also von einer beinahe doppelt so großen Baufläche. Wie konnte es dazu kommen? Nun, die Eigentümerin sah in der im Flächennutzungsplan vorgenommenen Aufteilung zwischen Baugrundstücken und öffentlichen Grundstücken ihre Interessen nicht genügend berücksichtig und sagte nein. So standen sich also zwei Interessen gegenüber und zerrten. Heraus kam kein Kompromiss. Der Bezirk Kreuzberg ist der Bahn AG sehr weit entgegengekommen und nimmt damit in Kauf, dass von der Idee eines grünen Flures nichts mehr übrig bleibt, sondern, im Gegenteil, die Bebauung des Potsdamer Platzes auf der anderen Seite des Landwehrkanals seine Fortsetzung findet. Achtzig Meter hohe Häuser an der Flottwellstraße!

Ende offen – alles gut?
 
Und nun kommt’s: Kurz bevor die Parlamente dem Rahmenvertrag verabschieden konnten, hat die Bahn AG noch mal draufgesattelt. Angeblich will sie jetzt auch die Teile ihrer Verwaltung, die noch in Frankfurt sitzt, nach Berlin holen und deshalb einen weiteren, über achtzig Meter hohen Hochhausturm auf dem Gelände bauen. Leise Zweifel an diesem Plan sind erlaubt. Denn die Vermutung, dass die Bahn AG lediglich ein Baugrundstück mehr verkaufen will, liegt zu nahe. Aber das macht nichts. Zunächst einmal hat die Bahn AG selbst mit diesem Ansinnen die Ratifizierung des Rahmenvertrages verzögert.
 
Vielleicht muss er ja sogar neu verhandelt werden. Und das hieße Zeitgewinn. Alle Argumente könnten nochmals ins weite Feld geführt werden. "Die Zeit wird für uns arbeiten", sagt Norbert Rheinländer. Nach zwanzig Jahren hat er noch immer nicht aufgegeben. Die Idee ist zu gut, die Chance zu groß. "Außerdem haben die ja noch gar keinen Investor. Wer will denn in dieser Stadt zur Zeit in Hochhäuser investieren?" Was nicht gut ist für die Konjunktur, könnte gut sein für die Entwicklung der Stadt. Ende offen – ?
 

text: Burkard Meise