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Der Fahrradkeller in der Pohlstraße
Es riecht nach einer Mischung aus Öl und Gummi, wie sich das für eine richtige Werkstatt gehört. Ab den Wänden hängen Fahrradrahmen, Vorder- und Hinterräder, an einem Haken nur die Schläuche, an einem anderen die Reifen. Alles noch irgendwie zu gebrauchen. Im Hintergrund dudelt ein Radio, das Licht ist gerade mal so hell, dass man nicht das Gefühl verliert, in einem Keller zu sein.
Im Keller unter dem Stadtteilverein Tiergarten in der Pohlstraße 89 reparieren Horst, Heino und Jörg seit Juni 2002 zusammen mit Kindern und Jugendlichen Fahrräder. Es geht also nicht darum, professionellen Fahrradwerkstätten Konkurrenz zu machen, es geht dabei mehr um die pädagogische Anleitung als um die Fahrräder. Es könnten auch Fußballtore oder Basketballkörbe oder irgendetwas anderes geschlossert werden. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche dabei lernen, wie man es macht. Doch die Fahrräder scheinen zur Zeit die interessantesten Objekte der Bastelei zu sein.
Im Sommer kommen ziemlich viele in den Keller, sagt Karsten Masch, der seit 1994 schon für den Stadtteilverein Jugendprojekte aufbaut. Nicht alle bringen gleich etwas zum Reparieren mit, einige suchen auch nur den Kontakt. Oder auch nur einen Ort, an dem sie ihre Lust auf Provokation ausleben können. Aber auch mit solchen werden Horst, Heino und Jörg schon fertig. "Und wenn mal jemand dabei ist, der nur sein Fahrrad aufgepumpt haben will", sagt Horst, "dann geben wir dem die Luftpumpe in die Hand und sagen: Mach mal selbst. Die sollen sich ja hier nicht nur bedienen lassen." Aber die meisten finden es doch spannend, wie so etwas funktioniert. Wie zum Beispiel aus drei scheinbar schrottreifen Fahrrädern ein – na ja, nicht gerade neues, aber gut funktionierendes – wird.
Auch die Fritzlar-Homberg-Grundschule hat einen Vorteil von dieser Einrichtung. Denn die drei aus dem Pohl-Keller warten kostenlos deren "Fuhrpark". Fünfzehn bis zwanzig Räder, an denen immer was zu tun ist. Karsten Masch hat vor seiner Tätigkeit beim Stadtteilverein Soziologie und Psychologie studiert und seine Abschlussarbeit in Erziehungswissenschaften über das Thema Straßengangs geschrieben. "Gut", sagt er, "in dieser Gegend herrscht schon ein rauer Ton zwischen den Jugendlichen, aber Gewalt gegen Erzieher hat es hier noch nicht gegeben." Und eines kann er gar nicht leiden, wenn nämlich jemand sagt, hier herrschten amerikanische Verhältnisse. Der wisse nicht, wovon er redet. So weit seien wir noch lange nicht.
Das Projekt wird vom Arbeitsamt unterstützt, seit dem vergangenen Juni und zunächst einmal bis zum kommenden Juni. Da bleibt nur zu hoffen, dass es nicht bei dieser zeitlichen Begrenzung bleibt. Der Geruch von Gummi und Öl hat doch was anziehendes. Vielleicht Verführerisches – zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10 bis 16.45 Uhr Freitag 10 bis 14 Uhr






