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Der "Lokale Bildungsverbund"

Um das im Quartier liegende Potenzial zu stärken und weiter zu entwickeln, haben sich die Bildungseinrichtungen des Stadtteils zu einem Kooperationsnetzwerk zusammengeschlossen. Der "Lokale Bildungsverbund Tiergarten Süd" (LBV) umfasst zur Zeit dreizehn Einrichtungen, die sich in regelmäßigen Gesprächs-, Informations- und Arbeitstreffen zusammenfinden, um den Stadtteil als "integrierten Bildungsstandort" zu gestalten. Der LBV wurde vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz initiiert und auf den Weg gebracht, läuft aber schon seit 2003 als eigenständiges vom Stadtteilverein Tiergarten getragenes Projekt. (im Foto: LBV-Projektkoordinator Jörg Schulenburg)
Standortfaktor Bildung
Junge Familien mit Kindern, die es sich leisten können, wählen ganz bewusst ein attraktives Wohnquartier oder ziehen weg, wenn eines oder mehrere ihrer Bedürfnisse in ihrer Nähe nicht erfüllt werden können. Dazu gehören auch Grünflächen, dazu gehören auch kulturelle Angebote im weitesten Sinne und dazu gehören vor allem Kindertagesstätten und Schulen. Stadtteile, die in dieser Hinsicht ein qualitativ anspruchsvollen Angebot bereit halten, werden als attraktive Wohnquartiere mit hoher Lebensqualität wahrgenommen.
Ein vielfältiges Angebot an Bildungseinrichtungen in unmittelbarer Nachbarschaft ist also ein enorm wichtiger Standortfaktor. Und das auch noch aus einem zweiten Grund: Bildung und Lernen berühren – von der Kita über die Grundschule über das Gymnasium bis zur Berufsqualifizierung oder auch zur Freizeitgestaltung – viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens im Quartier. Hier findet über die Sprachintegration Integration überhaupt statt, hier kommt es zu Begegnungen und zu nachbarschaftlichem Leben, und hier strahlt ein Anspruch aus, der die Atmosphäre des Stadtteils mitbestimmt.
Leitbild Integrierter Bildungsstandort
Sowohl der gesellschaftliche Wandel hin zur Wissensgesellschaft als auch die derzeit diskutierten Defizite des Bildungssystems zeigen die Notwendigkeit tief greifender Veränderungen im Bildungsbereich an. Es wird für die Zukunft immer wichtiger werden, nicht mehr von einer einmal abgeschlossenen Schul- und Berufsausbildung auszugehen, sondern von einer lebenslangen Abfolge aufeinander aufbauender und sich ergänzender Bildungsbedürfnisse. Dafür werden unter anderem neue Lernorte entwickelt werden müssen. Das Lernhaus in der Pohlstraße geht hier bereits den Weg in diese Richtung.
Wenn der LBV von der Entwicklung eines "Integrierten Bildungsstandorts" spricht, ist damit gemeint, dass ein vielseitiges und vor allem aufeinander abgestimmtes und sich ergänzendes Angebot geschaffen wird, das dem vorhandenen Bildungsbedarf der verschiedenen im Quartier lebenden Bevölkerungsgruppen gerecht wird.
Aufeinander aufbauend, einander ergänzend – das kann nur gelingen, wenn die Kooperation der Einrichtungen und Akteure des Stadtteils untereinander ausgebaut wird, wenn die Kooperationsstrukturen zu den Fachbehörden ebenso auf der Senats- wie auf der Bezirksebene, aber auch mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Fachinstituten aufgebaut wird, und wenn man sich schließlich auf die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen einigen kann.
Bildung im Netzwerk
In den ersten Jahren konnte der LBV von einem Gesprächskreis zu einem tragfähigen Netzwerk ausgebaut werden. Die Idee der Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen auf der lokalen Ebene, wie sie beispielhaft im QM-Gebiet Magdeburger Platz mit dem LBV stattfindet, ist inzwischen in die Rahmenstrategie der sozialen Stadtentwicklung des Senats von Berlin eingegangen.
Bei einem der Schwerpunktthemen, die speziell für den Stadtteil Tiergarten Süd entwickelt wurden, geht es um das Zusammenwirken der beiden Grundschulen, der Kindertagesstätten und der Stadtteilbibliothek mit dem Französischen Gymnasium beim Aufbau eines zusammenhängenden Französisch-Angebots im Stadtteil.
Bildung im Netzwerk bedeutet vor allem, die Bildungseinrichtungen sowie die Träger der Stadtteilentwicklung und die Akteure der Jugend- und Integrationsarbeit vor Ort zusammenzuführen, um ein bedarfsorientiertes, aufeinander aufbauendes und sich ergänzendes Bildungsangebot für alle Nutzergruppen des Quartiers zu schaffen. Die aktuelle Bildungsdiskussion und die Berliner Reformen im Kita- und Schulbereich bringen vielfältige Veränderungen mit sich, auf die sich die Bildungseinrichtungen einstellen müssen.
Die gemeinsame Entwicklungsarbeit der Bildungseinrichtungen im Rahmen des Netzwerks orientiert sich deshalb an einer Reihe von Themen, die für die Situation im Stadtteil besonders relevant sind:
– Sprachförderung
– Kooperation von Kitas und Grundschulen
– Entwicklung der Kitas zu frühkindlichen Bildungseinrichtungen
– Öffnung des Ganztagsschulbetriebs in den Stadtteil hinein
– Förderung des Elternengagements
– Vernetzung mit Beratungsangeboten im Integrationsbereich, der Familienhilfe, der schulbezogenen Sozialarbeit, der Familienbereich und Berufsorientierung
Entwicklungsarbeit
Die Zusammenarbeit der Einrichtungen verfolgt das grundlegende Ziel, durch Konzeptentwicklung, Anschubprojekte und ergänzende Ausstattungen die Teams bei der Weiterentwicklung des jeweiligen Profils und Angebots der Einrichtung zu unterstützen und die einrichtungsbezogene Zusammenarbeit zu fördern.
Durch gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen, Seminare und Workshops werden vertiefende Informationen zu wichtigen Themen vermittelt. Ein Beispiel ist die mehrtägige Seminarreihe zu verschiedenen Kernthemen der Bildungsdiskussion, in der durch Fachvorträge fachliche Inhalte, Instrumente und Methoden sowie best-practise-Beispiele vorgestellt wurden.
Auf dieser Grundlage werden dann stadtteil- und einrichtungsbezogene Aspekte und Bedarfslagen diskutiert, Projektideen gesammelt und gezielte Maßnahmen entwickelt. Dabei geht es häufig um mehrstufig und einrichtungsübergreifend angelegte Prozesse.
Als Ergebnisse des Seminars zur Sprachförderung wurde beispielsweise zunächst ein Projekt zur Untersuchung der Sprachförderpraxis in den Kitas und zur Entwicklung entsprechender Handlungsempfehlungen durchgeführt. In einem Nachfolgeprojekt wird nun das Jahrescurriculum Sprachförderung in allen Kitas eingeführt.
Damit verbunden ist eine übergreifende Zusammenarbeit der Einrichtungen, die sich durch die gemeinsame Bedarfslagen oder die praktische Notwendigkeit zur Kooperation bei der Entwicklung und Umsetzung von Projekten und Maßnahmen ergibt, wie zum Beispiel die gezielte Bereitstellung von Lernmedien für die Einrichtungen durch die Stadtteilbibliothek und das Zusammenwirken des Französischen Gymnasiums, der beiden Grundschulen, einer Kita und der Bibliothek beim Aufbau eines zusammenhängenden Französisch-Angebots im Stadtteil.
text/foto: BuM (QB Bildung Sept. 2006)






