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    Nach fast 17 Jahren läuft das Quartiersmanagement-Verfahren im Gebiet um den Magdeburger Platz aus. Zeit für das QM-Team, um sich zu verabschieden. Und wie geht's weiter ab 2017? Hier finden Sie auch den Kontakt für die nachfolgende Stadtteilkoordination. [mehr]
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    Das Landesprogramm "STARK gemacht! - Jugend nimmmt Einfluss" nimmt ab sofort Anträge in der ersten Förderrunde für das Jahr 2017 entgegen. Damit Ihr mit Euren Ideen für mehr jugendliches Engagement und für ein demokratischeres Miteinander nicht auf dem Trockenen bleibt, fördert der Jugend-Demokratiefonds Berlin Projekte mit bis zu 15.000 Euro! Einsendeschluss ist der 22. Januar 2017. [mehr]

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Dezember 2003: Bären stark machen - der Sprachförderkoffer an Kindertagesstätten

 
Integration beginnt mit dem Erlernen der Landessprache - der Sprachförderkoffer trägt mit bunten Bildern dazu bei, dass Kinder sich schon in der Kita spielerisch mit dem Deutschen beschäftigen.

Kindertagesstätte Bissingzeile 15/19. Nicht alle, aber die meisten Kinder haben Spaß daran, die bunten Bilder anzuschauen und auszusprechen, was sie darauf sehen. Na gut, da nennt schon mal einer den Bären Schneemann, aber mit ein bisschen Übung wird sich ihm auch dieses Wort noch auf das richtige Bild einstellen. Die bunten Bilder sind so genannte Wortlernkarten aus dem Sprachförderkoffer, der seit kurzem Kindertagesstätten zur Verfügung steht, in die mehr als 40 Prozent Kinder nichtdeutscher Herkunft kommen.
 
In einer Studie mit dem schönen Namen "Bärenstark" wurde die Sprachkompetenz von 6jährigen untersucht, und das Ergebnis war ziemlich erschreckend: Bei 80% der Kinder nichtdeutscher Herkunft, aber auch bei einem Drittel der deutschen Kinder wurden erhebliche sprachliche Defizite deutlich. Diesen Kindern steht nicht die sprachliche Fähigkeit zur Verfügung, dem Unterricht der ersten Klasse zu folgen.
Was das für die weitere Schulkarriere bedeutet, liegt auf der Hand. Wer nur wenig vom Unterricht mitbekommt, wird später nur schwer eine Lehrstelle finden und auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln sein. Wer im Arbeitsleben aber keine Chance hat, wird an den gesellschaftlichen Rand geschoben. Handelt es sich um herangewachsene Kinder von Migranten, wird man sein Problem als Integrationsproblem wahrnehmen und wieder mal sagen: Die Integration beginnt mit dem Erlernen der deutschen Sprache.

Fachleute und Bildungspolitiker sind sich einig: Die Sprachförderung muss so früh wie möglich beginnen, soll sie von Erfolg gekrönt sein. Genauer gesagt im Vorschulalter, das heißt in den Kindertagesstätten. Da die Kinder von Eltern nichtdeutscher Herkunft zuhause meistens in der Sprache ihrer Mutter sprechen, läuft das auf die Notwendigkeit einer zweisprachigen Bildung und Erziehung in den Kindertagesstätten hinaus.
 
Ein erster Schritt zur Sprachförderung in den Kindertagesstätten ist die Fortbildung und Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher. Dafür sind die Kapazitäten der landeseigenen sozialpädagogischen Fortbildung im laufenden Jahr verdoppelt worden.
 
Für die Kinder selbst hat das Institut für kreative Sprachförderung den Sprachförderkoffer entwickelt. Auf den Rückseiten der 140 Wortlernkarten steht der Grundwortschatz zu den jeweiligen Bildern und einige exemplarische Sätze. Für die Erzieherinnen und Erzieher wichtig sind außerdem so
genannte Brückensätze zu den wichtigsten Migrantensprachen, mit denen sie auch zu den Kindern, die ohne Deutschkenntnisse in die Kindertagesstätte kommen, eine erste Kommunikation aufbauen können.
Als weitere Hilfestellung für die pädagogische Arbeit steckt in dem Sprachförderkoffer ein Handbuch mit einigen Anleitungen. Das Institut für kreative Sprachförderung hat zudem ein Musterprojekt entwickelt, genannt "Begleitende Einführung des Sprachförderkoffers". Dabei geht es darum, die Effektivität der Arbeit mit dem Koffer zu steigern und die Qualität der pädagogischen Arbeit zu verbessern.

An einer Einführungsschulung sollen, um die notwendige Kooperation der Bildungseinrichtungen des Gebiets bei der Sprachförderung zu steigern, auch Lehrer und Bibliothekspersonal teilnehmen. Um die Schulung, die ersten Erfahrungen mit dem Koffer, die Einbeziehung der Eltern und ähnliches für Kitas in ganz Berlin nutzbar zu machen, wird eine Videodokumentation mitgeschnitten und dann als Schulungsfilm zur Verfügung gestellt.
 
Diese Einführungen werden in den vier Kitas des QM-Gebiets Magdeburger Platz gehalten. Gerade die Kita Bissingzeile 15/19 gilt schon seit ihrer Gründung 1995 als Reformkita. "Das Kollegium hat von Anfang an begriffen, dass die gängigen Bilder von Kind und Familie hier nicht mehr angebracht waren", sagt der Leiter Rainer Hofmann. Es sei darum gegangen, die Eltern mit ins Boot zu holen, ihnen deutlich zu machen, dass es nicht reicht, Bildungs- und Sprachdefizite in dem Moment, da man das Kind morgens abgibt, zu delegieren.
 
Das Team sah sich teils vor Probleme gestellt, für die es auch in der Fachliteratur keine Beispiele gab, da war dann Eigeninitiative gefragt, Fortbildung und die Suche nach neuen Wegen. Schon einmal wurde diese Kita für ein besonderes Sprachförderprogramm ausgewählt, als eine von nur sieben in Berlin und von gerade mal hundert in Deutschland. Da ging es um das vom Bundesbildungsministerium und Microsoft entwickelte Computerspiel "Schlauköpfe". Und auch die Uni Potsdam nimmt gerne die pädagogische Neugier der Kita in Anspruch und betreibt hier ein Forschungsprojekt über den Zusammenhang zwischen motorischer und intellektueller Entwicklung.
 

Unterstützt, gefördert, angeschoben werden all diese Bemühungen vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz und dem Lokalen Bildungsverbund LBV. Der LBV hat sich die Aufgabe gestellt, die Bildungseinrichtungen des Quartiers zu vernetzen, und, gefördert vom Programm Soziale Stadt, den Bildungsstandort Tiergarten zu entwickeln. Für den Frühling ist ein Workshop geplant, wie weitere Sprachfördermaßnahmen speziell für die Anforderungen dieses Gebietes entwickelt werden können.
Und die Kinder aus der Bissingzeile? Die gucken nicht nur auf die Sprachlernkarten und sprechen nach, was man ihnen vorsagt, sie gehen auch in die weite Welt hinaus, hören den Wind durch die herbstlichen Bäume blasen und lernen, dass die Blätter "rascheln".
 

text/fotos: BuM (Quartiersblatt 14)