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Dezember 2004/Januar 2005: Fußballplatz in Gefahr – die Hintergründe

Seit dem Jahr 2000 nutzen Kinder und Jungendliche den Fußballplatz gegenüber dem Jugendtreff Subway in den U-Bahn-Bögen an der Pohlstraße – nun soll womöglich sehr plötzlich damit Schluss sein, da der Berliner Liegenschaftsfonds überraschend das Grundstück zurückverlangt.
Dahinter steckt eine längere und teils ziemlich abstruse Geschichte:
Ein Mieter hat die ehemalige Elsner-Bertelsmann-Halle direkt hinter dem Fußballfeld übernommen – Seit Ziel war es, dort und in den beiden angrenzenden leer stehenden Hallen einen Markt für alles vom Discounter bis zum multikulturellen Angebot anzusiedeln.
Pech nur, dass von diesem Hallen-Grundstück kein Weg zu den umliegenden Straßen führt: Nach Norden zur Lützowstraße "versperren" die beiden angrenzenden Hallen-Grundstücke den Weg – noch steht der Mieter in Verhandlungen mit Elsner-Druck, um diese ins Gesamtkonzept möglichst günstig einbauen zu können. Zur Flottwellstraße hin, wo Elsner einst seine Ausfahrt Richtung Gleisdreieck hatte, blockiert eine Option der Bahn-Grundstücksgesellschaft den Zugang. Und vorne dran zur Pohlstraße liegt der besagte Fußballplatz...
Ein Grundstück ohne Zugang zur nächsten Straße zu vermieten – das mutet denn doch etwas sehr seltsam an. Also begann die Suche nach einem Ausweg – und voilá! Da bietet doch die Räumung des momentan finanziell unrentablen Fußballfelds die beste Lösung, so mögen die Leute vom Fonds gedacht haben.
Tatsächlich beruht die derzeitige Existenz des Felds auf Nutzungs-Abmachungen zwischen dem Stadtteilverein Tiergarten und dem Land Berlin:
Auf einer ehemaligen Brache sollten temporäre Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche entstehen. 2000 wurde ein vorerst zweijähriger Vertrag darüber geschlossen, öffentliche Mittel ermöglichten die Umgestaltung - zur Zufriedenheit aller.
Die Jugendlichen bolzten auch nach den ersten zwei Jahren weiter und trafen sich zum BMX-Fahren oder Grillen, und die Pohlstraße wurde auf Wunsch von Anwohnern und Stadtplanungsamt zur verkehrsberuhigten Zone.
Auch der Liegenschaftsfonds, an den die Senatsverwaltung inzwischen die Verwaltung der Berliner Grundstücke übergeben hatte, war´s zufrieden: Zwar sollten die Mitarbeiter des Fonds ihre Aufgabe nach wirtschaftlichen und nicht nach sozialen oder sontigen Grundsätzen erfüllen, aber es fand sich ohnedies kein anderer Interessent für das Gelände.
Trotzdem gab es einen Versuch des Fonds´, die Lage zu ändern: Er forderte Anfang November 2004 vom Stadtteilverein die "normale" Miete für den Platz – für die knapp 2.500 Quadratmeter schlappe 2.500 Euro im Monat. Dass ein Unternehmen im Sozialbereich die nicht mal eben so aus der Tasche zaubern kann, ist klar; das stellte der Verein auch gegenüber dem Fonds dar, und alles blieb vorerst wie gehabt.
Doch nur noch bis kurz vor Weihnachten 2004: Am 17. Dezember trudelte plötzlich und ohne Vorwarnung oder gar Gespräch ein Kündigungsschreiben beim Stadtteilverein für den Platz ein – innerhalb von fünf Tagen sollte das Gelände "im vorherigen Zustand" zurückgegeben werden.
Diese Zeit hätte noch nicht einmal gereicht, um einen Bagger kommen zu lassen, der den Ballfangzaun, die gemauerten Sitzmöglichkeiten am Spielfeld, die Palisaden außen herum, den ebenfalls gemauerten Grill und die BMX-Landschaft wegzuschaffen, und das pünktlich zum 22. Dezember 9 Uhr früh.
Das wirbelte einigen Staub auf – sowohl bei Quartiersmanagement und Stadtteilverein als auch bei den zuständigen Bezirks-Behörden, stehen doch einige schwerwiegende Argumente der Räumung gegenüber:
Das Feld wird dringend benötigt. Gerade in einem Kiez, in dem Platz für Jugendliche so knapp ist wie Tiergarten-Süd. Das wird auch ein Schreiben des bezirklichen Jugendamts an den Fonds belegen: Möglichkeiten, sich draußen körperlich auszutoben und gleichzeitig im Gruppensport soziale Kompetenzen zu trainieren, sind hier extrem rar.
Auch das städtebauliche Konzept für die Pohlstraße würde durch einen Lieferverkehr völlig unterlaufen: Nicht umsonst befuhr Elsner Druck sein Gelände von der Lützow- und Flottwellstraße aus, denn die Pohlstraße ist auf Wunsch sowohl des Stadtplanungsamtes als auch der Anwohner eine verkehrsberuhigte Straße – und das würde durch an- und abfahrende Laster komplett aufgehoben.
Mal ganz davon abgesehen, dass Laster die geplante Zufahrt zum Teil wohl gar nicht nutzen könnten: Genau an der geplanten Stelle ist die Straße erst im Herbst 2004 durch verbreiterte Gehwege eingeengt worden. So sollen die Kinder und Jugendlichen aus dem Jugendtreff Subway mit seinem Beachvolleyballfeld sicherer zum Bolzplatz gegenüber und wieder zurück kommen.
Auf einer Länge von 20 Metern ragen die Bordsteine in die Fahrspur hinein, am Anfang und Ende dieser "Gehwegvorstreckung" sorgen zusätzlich Hubbel auf der Straße, so genannte "Moabiter Kissen", für langsame Fahrweise.
Diese Straßenumbauarbeiten wurden durch Mittel aus dem Förderprogramm "Soziale Stadt" finanziert. Und damit die öffentlichen Mittel auch Nutzen zeigen können, wurde vertraglich festgelegt, die Straße nun auf zehn Jahre so zu lassen – eine Verbreiterung der Fahrspur für die Einfahrt an der vom Liegenschaftsfonds geplanten Stelle steht also nicht zur Diskussion.
Ob die Zufahrt an einer anderen Stelle – beispielsweise neben den "Bahn-Grundstücken" an der genauso nahe liegenden Flottwellstraße – möglich wäre, prüft eben eine Mitarbeiterin des bezirklichen Stadtplanungsamtes: Die dem Kündigungsschreiben beiliegende Karte weist andere Grundstücksgrenzen aus als die "Flurkarte", die den bisherigen Planungen zugrunde lag. Ein Besuch der Bezirksamts-Mitarbeiterin beim Katasteramt, das alle Grundstückspläne vorliegen hat, soll Klarheit in diesem Punkt bringen.
Sobald es neue Entwicklungen in Sachen Fußballplatz gibt, informieren wir Sie natürlich hier auf dem Quartiers-Portal!






