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"Die Kinder tauchen in die Sprache ein": Tiergarten Süd soll auch für bildungsnahe Schichten attraktiv werden


Fast 60 Kinder lernen in Tiergarten Süd in Kindertagesstätten, im Hort oder in den Grundschulen französisch. Darüber hinaus werden von den Angeboten über 150 weitere Kinder erreicht. Dass
Kinder, die zweisprachig aufwachsen, es leichter haben, auch noch eine dritte oder vierte Sprache zu lernen, ist seit langem unbestritten. "Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, Sprachen zu lernen", sagt Miriam Mueller, "deshalb wollen wir unsere Angebote auch schon in der Krippe machen."

Natürlich darf man dabei nicht an Sprachkurse im herkömmlichen Sinne denken, nicht daran, dass jemand, bevor er den ersten Satz einer ihm "fremden" Sprache spricht, erst einmal die Grammatik zu beherrschen gelernt haben sollte. Es ist ja unvorstellbar, dass so viele Kinder gerne französisch lernen würden, wenn das Lernen vor allem darin bestünde, schwere Probleme zu lösen.

"Die Kinder tauchen in die Sprache ein", sagt Miriam Mueller, "es wird mit ihnen französisch gesprochen. Sie spielen und sie basteln und sind währenddessen von der französischen Sprache umgeben. Es soll ihnen Spaß machen. Und den Spaß haben sie, weil sie spielen und basteln, wie sie ihn sonst auch haben. Die Sprache selbst ist in den Gruppen kein Inhalt." Die Kinder lernen aus dem Gehör. Kindern, die zuhause zweisprachig aufwachsen, beispielsweise, indem die Mutter mit ihnen nur französisch, der Vater nur deutsch spricht, sind beide Sprachen selbstverständlich. In diesem Falle sind es eben französisch-muttersprachliche Erzieherinnen, die sich mit den Kindern französisch unterhalten. "Das ist ein Lernprinzip, das zunehmend auch bei Erwachsenen angewendet wird."

Miriam Mueller ist Diplom-Übersetzerin für englisch und französisch, Vorsitzende des "Initiale e.V. – Verein zur Förderung der bilingualen Erziehung" und Initiatorin und Leiterin des Projekts "Entwicklung des Französisch-Sprachangebots im Stadtteil" in Zusammenarbeit mit dem Lokalen Bildungsverbund Tiergarten Süd (LBV). Sie selbst hat ein deutsch-französisches Kind und schon in mehreren Ländern gelebt. Mit ihrem Einsatz für das Projekt möchte sie auf keinen Fall die französische Sprache in Konkurrenz zu anderen Sprachen setzen. Wünschenswert wären auch Projekte, die sich auf andere in der Welt weit verbreitete Sprachen beziehen, wie zum Beispiel Spanisch. Englisch lernen die Kinder früher oder später sowieso.

Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen

Die Leiterinnen und Leiter der Grips-Grundschule, des INA Kindergarten Lützowstraße und des Französischen Gymnasiums haben mit Frau Mueller und dem Koordinator des LBV Jörg Schulenburg eine enge Zusammenarbeit verabredet. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe wird unter dem Motto: "Von der Kita durch die Grundschule ins Gymnasium" – an einem durchgehenden Strang für Französischsprachlernangebote im Quartier gearbeitet.

Der INA Kindergarten in der Lützowstraße (die ehemalige Kita Hahn heißt so, nachdem im Zuge der Privatisierung die Internationale Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der FU Berlin die Trägerschaft übernommen hat) bietet Französisch schon für Kinder im Krippenalter an, dann in einer deutsch-französischen Gruppe und darüber hinaus ohne Verabredung für alle Kinder durch die Anwesenheit von französischsprachigem Personal. Zudem hat der INA Kindergarten auch die Hortbetreuung für die Kinder der Grips-Grundschule übernommen, und für diese Betreuung stehen zwei deutsche und zwei französische Muttersprachler zu Verfügung.

An der Grips-Grundschule selber wurden im November 2004 drei Arbeitsgruppen gegründet, die Zahl musste dann aber schon nach kurzer Zeit wegen der großen Nachfrage auf fünf erhöht werden. An der Fritzlar-Homberg-Grundschule sind es zwei. 80 % der Schüler, die in beiden Schulen französisch lernen, kommen aus Familien nichtdeutscher Herkunft. Gerade in diesem Stadtteil ist zu bedenken, dass die französische Sprache in der arabischen Welt einen höheren Stellenwert hat als bei uns. Und wenn man weiterhin bedenkt, dass auch russische, kroatische und albanische Kinder französisch lernen, ist die Hoffnung erlaubt, dass das gemeinsame Erlernen einer für alle zunächst fremden Sprache eine integrative Wirkungen haben kann.

In Zukunft sollen Veranstaltungen wie diese verstärkt gefördert werden. So wurde die französische Schauspielerin Laurence Barbasetti mit der Organisation von deutsch-französischen Kinderbuchlesungen beauftragt, die aus dem Aktionsfonds des QM bezahlt werden und sowohl in der Stadtteilbibliothek als auch in den verschiedenen Kindertagesstätten und Grundschulen des Stadtteils stattfinden soll und zu denen jeweils Kinder anderer Einrichtungen geladen werden.

Die Nachfrage ist groß

Ein besonders schönes Beispiel für die Vernetzung der Bildungseinrichtungen ist nach Ansicht von Jörg Schulenburg das im Januar beginnende Patenschaftsprojekt, in dem Schüler des Französischen Gymnasiums Patenschaften für Kinder aus den Kitas oder Grundschulen übernehmen. Das könnte für die Kinder eine optimale Vorbereitung auf ihre eventuellen Schuljahre auf dem Französischen Gymnasium werden.

Bisher haben Eltern, die ihre Kinder aufs Französische Gymnasium schicken wollen, in den mangelnden Vorbereitungsmöglichkeiten ein Problem gesehen. Die Nachfrage jedenfalls ist sehr groß. "Es gibt so viel Nachfrage", sagt Miriam Mueller, "dass wir so schnell gar nicht genug Angebote entwickeln können." Damit wird die Attraktivität des Stadtteils als Bildungsstandort zweifellos erhöht. Schließlich liegen viele Botschaften in unmittelbarer Nähe, zwei- oder mehrsprachige Kindertagesstätten sind gerade auch für Diplomatenkinder von Interesse. "Durch diese Angebote", sagt Jörg Schulenburg, "wollen wir auch vermehrt bildungsnahe Schichten in den Stadtteil locken."


text: Burkhard Meise (QB 26)