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Grips-College oder FHGrips? - Diskussion zum Geschehen rund um die Grips-Grundschule

Die Podiumsgäste - am Mikrophon Bildungsdezernentin Frau Hänisch

Seit Kurzem ist es raus: Die Zukunft der Grips-Grundschule bleibt unsicher, sie tendiert eher gegen immer schwärzer – sicher ist jedoch seit wenigen Tagen, dass es im kommenden Schuljahr keine ersten Klassen geben soll. Ein Schock. Für Lehrer- und Erzieherinnen und Schulleitung, und für die Eltern. Besonders natürlich für die, die vor etwa drei Wochen die Bestätigung im Briefkasten gefunden hatten, dass ihre Kinder ab September herzlich als Erstklässler in der Grips-Grundschule willkommen seien.

Diese Entwicklung hatte der QuartiersRat noch nicht voraussehen können, als seine Mitglieder zur öffentlichen Sitzung mit Diskussion in die Aula der Grips-Grundschule einluden.
Nicht gekommen waren Vertreter/innen „der Franzosen“, Botschaft und Collège hatten abgesagt. Dafür waren andere wichtige Akteure da: Bildunsstadträtin Frau Hänisch, Frau Terzioglu von der Senatsverwaltund für Bildung, Frau Kalifa von der Elternvertretung und die beiden Schulleiterinnen, Frau Flemig von der Grips- und Frau Feese von der Fritzlar-Homberg-Grundschule bildeten das Podium.
Ihnen gegenüber saßen im Publikum betroffene Eltern, Vertreter/innen des Kollegiums und der Lesepaten, QuartiersRats- und QM-Mitglieder, Angehörige der BVV und weitere Interessierte.

Plädoyer von Frau Hoppe für den Leseschwerpunkt der Schule

Der Anlass der Treffens in Kürze: Das Collège hatte den Wunsch geäußert, von Reinickendorf in die Mitte Berlins zu ziehen. Die Grips-Grundschule, eine „lesende Schule“ mit Französisch-Angebot als erste Fremdsprache, schien sich da anzubieten: ein Anbau, und beide könnten sich unter einem gemeinsamen Dach gut ergänzen.
Stattdessen ist inzwischen davon die Rede, dass die Grips-Schule ganz ausziehen soll – in Richtung Fritzlar-Homberg-Grundschule, und bis zum Schuljahr 2010. Wie das vonstatten gehen soll, wo die Grips-Schüler Platz finden, wie die beiden unterschiedlichen Schwerpunkt Musikbetonung und Leseschwerpunkt nebeneinander bestehen sollen: „Dazu haben wir uns noch nichts Genaueres überlegt“, so die Reaktionen aus Senat und Bezirk auf Nachfrage aus dem Publikum.

"In anderen Schulen wäre aus vielen unserer Kinder nicht so viel geworden": deutliche Worte aus der Elternschaft

Dass das die Betroffenen überhaupt nicht beruhigen kann, ist klar. Klar kam auch heraus, dass der Informationsfluss vom Senat übers Bezirksamt in Richtung Schule und Eltern einer Katastrophe gleichkommt: Eltern und Lehrer/innen erfuhren bislang aus den Medien von Entwicklungen rund um Grips-Grundschule und Collège Voltaire.

Das erste offizielle Schriftstück im bald einjährigen Hin und Her brachte Frau Hänisch zur Diskussion mit: Die Ablehnung der „Einzügigkeit“ für die Schule, also einer einzelnen ersten Klasse im nächsten Schuljahr.

Volles Haus - mit aufmerksam Lauschenden

Seit dem Frühsommer 2008 war durch Zeitungen und Regionalfunk transportiert worden, dass die Zukunft der Grundschule wackelt - das verunsicherte natürlich die Eltern, ihre Kinder dort anzumelden.

Sich dann auf gesunkene Anmeldungen fürs kommende Schuljahr zu beziehen und mit diesem Argument die Einrichtung einer einzelnen ersten Klasse abzulehnen, dieses Vorgehen der Senatsverwaltung empfanden manche der Anwesenden als „schlicht verlogen“.
Mal ganz davon abgesehen, dass etwa ein Drittel der Schüler/innen aus dem Nachbarstadtteil Schöneberg kommt – die tauchen in der zugrundegelegten bezirklichen Statistik gar nicht erst auf.

Empört über mangelnde Informationen: Grips-Leiterin Frau Flemig (neben ihr Frau Feese von der FHG)
Klare Worte in Richtung Politik: GEV-Sprecherin Frau Kalifa

„41 Prozent unserer Schüler/innen erhalten eine Gymnasial-Empfehlung, in punkto Sprache und Lesen liegen wir weit über dem Durchschnitt - dass diese Schule sehr gut ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.“ Diese Aussage von Schulleiterin Flemig untermauerten Wortmeldungen auch von migrantischen Eltern, die meinten, ohne diese Schule hätten es ihre Kinder bestimmt nicht so weit gebracht.
Die Grundstimmung im Publikum gegenüber dem Collège war – wen wundert´s  angesichts der aktuellen Entwicklung - nicht gut: „Warum soll unsere Schule für die Kinder hier aus dem Kiez aus ihrem Haus ausziehen für eine Schule für Kinder von sonstwoher?“

Denn dass das passieren wird, scheint immer klarer: Das Collège hat nach eigenen Aussagen eine Zusage für die jetzige Grips-Grunschule von der Schulverwaltung erhalten – nicht nachvollziehbar für Eltern und Kollegium. „Wir sind doch auch noch da, die Schule ist doch nicht einfach leer!“ und „Wer hat da mit wem geklüngelt und unsere Schule verschenkt, und warum sind wir unwichtiger als die?“ empörten sich Anwesende.

Die ursprüngliche Idee des Zusammenzugs von Grundschule und Collège hatte sich irgendwann im Lauf der Entwicklung offensichtlich in Luft aufgelöst – auch so eine Sache, die die Betroffenen im Kiez aus der Zeitung erfuhren. Denn die eigentlich vorgeschriebenen Schritte, die Zustimmung bezirklicher oder schulischer Gremien samt transparentem Informationsfluss (geschweige denn eine Beteiligung der Kinder und Eltern) hatten nicht stattgefunden.

Fragen, die treffen: Frau Grund vom QuartiersRat

Die Fritzlar-Homberg-Grundschule habe genügend Platz, um die Grips-Schüler aufzunehmen, und Musikbetonung und Leseschwerpunkt passten doch sehr gut zusammen: Diese Auffassung vertrat Frau Terzioglu, nach eigener Aussage normalerweise eher für den Senats-Bereich Oberschule zuständig.

Dass die den Senats-Berechnungen zugrunde liegenden Quadratmeter-Zahlen für „normale“ Schulen in „normalen“ Stadtteilen gelten, dass die Rechnung für Grundschulen in Brennpunkt-Gebieten mit ihren den Anforderungen entsprechenden speziellen Profilen ganz anders ausfällt: Auch das sollte mit einfließen, so die Hinweise aus dem Publikum.

Antworten von Senats-Seite: Frau Terzioglu

Der Hintergrund: Musikbetonung, der Schwerpunkt der FHG, braucht Platz. Musizieren,  Instrumental-Unterricht, Üben – Vieles geht nur jeweils einzeln im Raum. Und das zusätzlich zum „normalen“ Raumbedarf einer Ganztagsschule, in der die Kinder täglich bis 16 Uhr bleiben.
Käme die Grips-Grundschule hinzu, bräuchte sie zusätzlich zu den Klassen- und Aufenthaltsräumen für ihre Schüler Platz für die Mediothek der „lesenden Schule“, für die Stunden der Lesepaten, Schreibwerkstätten, das rote Lesesofa...

"Wir sind sehr betroffen": die Eltern empfinden sich und ihre Kinder als Spielball kiezferner Interessen

Ob dieser Platz, wie von Frau Hänisch angeregt, durch Umwidmung von Räumen des an die FHG angeschlossenen Lernhauses Pohlstraße geben kann, ist fraglich: Die Räume sind tagsüber durch die City-VHS mit ihren Kursen und die üblichen Öffnungszeiten der anderen Angebote belegt.

Ansprüche der Grundschule würden an einer beispielhaften Einrichtung rütteln, die für den Kiez sehr wichtig ist: Die Vernetzung von VHS, Brücke-Projekt, compass-Berufsberatung, Bund gegen Diskriminierung, Computersalon und anderen bietet mehr als die Summe der Einzelteile, das ist allgemein anerkannt.

Hoffen auf die Entscheidung der BVV zum Erhalt beider Schulen: Schulleiterinnen Flemig und Feese (v.l.)

Wie es mit der Bildung im Kiez weitergehen wird, das liegt nun in den Händen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV): Dort beraten und beschließen die Vertreter/innen der Parteien auch über solche Themen wie Zusammenschlüsse oder Schließungen von Schulen, so die Bildungsdezernentin. Eine ganze Reihe an BVVlern war ja bei der Diskussion anwesend – wir sind natürlich sehr gespannt, wie sie und ihre Fraktionen sich zum Thema „Zukunft der Grips-Grundschule“ weiter verhalten und wie sie schließlich über die Bildungslandschaft im Kiez entscheiden werden.
- Sobald es neue Entwicklungen gibt, informieren wir Sie hier im Quartiers-Portal.

- Hier finden Sie die Stellungnahme des QuartiersRats zum Geschehen rund um die Grips-Grundschule.

text/fotos: wolk