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  • 1. Ausschreibung des Jugend-Demokratiefonds Berlin 2017

    Das Landesprogramm "STARK gemacht! - Jugend nimmmt Einfluss" nimmt ab sofort Anträge in der ersten Förderrunde für das Jahr 2017 entgegen. Damit Ihr mit Euren Ideen für mehr jugendliches Engagement und für ein demokratischeres Miteinander nicht auf dem Trockenen bleibt, fördert der Jugend-Demokratiefonds Berlin Projekte mit bis zu 15.000 Euro! Einsendeschluss ist der 22. Januar 2017. [mehr]

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Februar 2003: Für Leseratten und Lernwillige: Stadtteilbibliothek konnte Attraktivität erhöhen

 
Die besondere Nutzung dieses Raumes soll deutlich hervortreten: Deshalb werden die beiden einander gegenüberliegenden Eingangsbereiche der Fritzlar- Homberg-Grundschule und der Stadtteilbibliothek in der Lützowstraße zur Zeit neu angelegt. Eine Art Torsituation soll aufmerksam machen auf die zusammengehörige Nutzung rechts und links der Straße. Denn die Bedeutung der Bildungseinrichtungen steigt nicht nur in den Sonntagsreden zu allen möglichen Anlässen, sondern tatsächlich: Die Stadtteilbibliothek konnte in den letzten Jahren ihre Attraktivität erheblich erhöhen und 2002 die Anzahl ihrer Ausleihen um sage und schreibe 4000 steigern.
 
Ihre Schultaschen haben sie abgelegt, die Fragebögen für die Hausaufgaben schon vor sich ausgebreitet. Sie gehen in die fünfte Klasse und müssen aufschreiben, wovon die Vögel sich ernähren. Drei Bücher hat Angelika Klippel ihnen herausgesucht. Und nach einer Weile des Blätterns sagt der eine zum andern: "Ej, so jute Hausaufgaben haben wir noch nie gemacht."
 
"Neulich kam ein ungefähr 16jähriger in die Bücherei und sagte:Wir sollen in der Schule ein Buch lesen, was soll ich denn da nehmen?" erzählt Angelika Klippel. Sie ist seit 1975 als Bibliothekarin tätig. Aus den Antworten ihrer Nachfragen hat sie herausgehört, dass der bald schon ein junger Mann zu nennende Schüler noch nie in seinem Leben ein Buch gelesen hat. Und? Was hat sie ihm empfohlen? "Ich hätte ihm wahrscheinlich ein paar Gruselgeschichten empfohlen oder etwas von Hitchcock. Aber er hat sich dann selbst was ausgesucht."
 
Ergänzung und Unterstützung von Schulen und Volkshochschulen gehören heute zu den vornehmlichen Aufgaben einer Stadtteilbibliothek. Manchmal kommen ganze Schulklassen, manchmal auch Gruppen aus den Kindertagesstätten, um die Heranwachsenden an die Möglichkeiten heranzuführen, Einblicke in Vogelnester und ihre Vorratskammern, in fremde, abenteuerliche, spannende, unterhaltsame, teils phantastische Welten nehmen zu können.

Zusammenarbeit mit Bildungsverbund
Oder in die Zusammenhänge einer noch nicht gelernten Sprache. Längst stehen in Bibliotheken nicht mehr nur Bücher in den Regalen. Kassetten, CDs, CD-Rom und Videos gehören mindestens gleichberechtigt dazu. Durch den Bildungsverbund Tiergarten- Süd ist die Zusammenarbeit enger geworden: Die Lehrer der Volkshochschule machen Vorschläge für Sprachlehrgänge, die dann auch im Rahmen der Möglichkeiten des Etats angeschafft werden. Ebenso wie die Literatur, die für den Unterricht der Schulen im Quartier relevant ist. Für solche "Medieneinheiten" sind dann die Zahlen der Vorbestellungen mitunter hoch und die Wartelisten lang.
 
Aus dem Quartiersfonds konnte die Stadtteilbücherei Tiergarten 27.000 Mark für die Anschaffung von Sprachkursen, CD-Rom, Berufsratgeber, Computerbücher und ähnliches ausgeben, was, so Angelika Klippel, die Attraktivität der Bücherei sehr erhöht habe. Ansonsten stehen den Bibliotheken in Berlin bestimmte, leider eher sinkende als steigende Etats für Neuanschaffungen zur Verfügung. Diese Etats müssen entsprechend der Ausleihstatistik des Vorjahres eingesetzt werden. Und das waren in Tiergarten in den letzten Jahren mehr elektronische Medien als Bücher. Und mehr Sachbücher als belletristische Literatur.
 
Die Nachfrage nach Computer-Spiele ist sehr groß. In den Räumen der Bücherei stehen sowohl Spiele-Computer als auch zwei internetfähige Computer zur Verfügung. Letztere dürfen von Schülern kostenlos und von Erwachsenen gegen eine Gebühr genutzt werden. Immerhin 30.000 Besucher haben im vergangenen Jahr 50.000 Einheiten ausgeliehen. Das ist eine ganze Menge. Allerdings muss bei dieser Zahl auch berücksichtigt werden, dass die Bibliotheksdichte in Tiergarten- Süd ziemlich niedrig, oder, um es so auszudrücken, eher dünn ist.
 

Frauen lesen mehr Romane als Männer
Der Schwerpunkt, und das dürfte bei anderen Stadtteilbüchereien ähnlich sein, liegt bei Kindern und Jugendlichen. Und das ist ja auch gut so. Darüber sollte der ganz traditionelle Verleih von Büchern aber nicht unterschätzt und schon gar nicht in Vergessenheit geraten. "Frauen lesen mehr Romane als Männer." Das spricht zumindest nicht für die Männer. Und alle Bücher, die auf der Spiegel-Bestseller- Liste erscheinen, bekommen die Stadtteilbüchereien auch außerhalb ihres Etats automatisch vom Bezirksamt. Und diese Bücher sind immer ausgeliehen. Und auch das ist schön zu wissen.
 
Zehn Jahre lang hat Angelika Klippel in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek in der Rostocker Straße in Moabit gearbeitet. Dann wurde dieselbe in die Trägerschaft des Moabiter Ratschlag e.V. übergeben, was bedeutet, dass man in der Rostocker Straße keinen Ankaufetat vom Kulturamt Mitte mehr bekommt. Die Bibliothekarinnen wurden nach Tiergarten-Süd versetzt und müssen die Kurt-Tucholsky-Bibliothek nun von dort aus an vier Nachmittagen pro Woche mitversorgen. Das ist sicher keine befriedigende Lösung, aber es geht auch hier, wie überall in Berlin, und nicht nur hier, immer mehr ums Geld. Beziehungsweise um die Löcher, die sich irgendwann einmal – wann war das noch? – aufgetan haben und seit dem stetig wachsen.
 
Mit der Übernahme der Kurt- Tucholsky-Bibliothek durch den Moabiter Ratschlag konnte jedoch wenigstens die Totalschließung verhindert werden. Bibliotheken sind nicht nur begehrte Objekte von Leseratten und Lernwilligen, sondern leider auch Haushältern, die nicht mehr ein noch aus wissen. Denn Bibliotheken sind keine Pflichtaufgabe der Bezirke. Zu dumm.
 
In der Lützowstraße wird seit einem halben Jahr der Eingangsbereich der Stadtteilbücherei Tiergarten-Süd vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz aus dem Mitteln der Wohnumfeldmaßnahmen neu gestaltet. Wenn die Arbeiten zum Frühjahrsanfang fertig sind, soll – wie gesagt – der inhaltliche Zusammenhang zur auf der anderen Straßenseite liegenden Fritzlar- Homberg-Grundschule für den Passanten, den Flaneur oder den Autofahrer offensichtlich sein.
 
Bibliothek Tiergarten-Süd
Lützowstraße 27
Tel.: 2009 3 4241
Fax: 2009 3 4240
 
Öffnungszeiten:
Montag und Freitag 13.00 bis 19.00 Uhr
Dienstag und Donnerstag 13.00 bis 17.30 Uhr
 

text/fotos: BuM