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„Wo wir sind, bist du sicher“ – Gewerbetreibende stehen als Notinseln für Kinder bereit

Wo wir sind, bist Du sicher: Notinseln als Zufluchtsräume

Das Projekt Notinsel wurde 2002 von der  für Kinderschutzprojekte eintretenden Hänsel & Gretel-Stiftung ins Leben gerufen, um Kindern in Not Orte in ihrem Lebensumfeld aufzuzeigen, an denen sie Hilfe erhalten.
Seinen Ausgangspunkt nahm dieses Projekt in Karlsruhe, mittlerweile erstreckt sich das Netzwerk auf 68 Städte in ganz Deutschland. Unterstützt wird es vom Deutschen Kinderschutzbund.

Die Notinseln – Einzelhandelsgeschäfte, kleine Supermärkte, Apotheken, Friseure oder ähnliche - sind für Kinder und Jugendliche bundesweit an dem Notinsel-Aufkleber an der Tür oder am Schaufenster zu erkennen. In Notsituationen – wenn Kinder sich von anderen Personen bedroht fühlen, wenn sie sich verletzt oder verlaufen haben – können sie in diesem Geschäft Schutz suchen und sich an Mitarbeiter wenden, die ihnen mit kompetenter aber auch mit alltäglicher Hilfe zur Seite stehen.

Wie werden Geschäfte zu Notinseln?

Mithilfe einer Kurzschulung werden Geschäftsinhaber und Mitarbeiter informiert, was in einer solchen Situation zu tun ist, welche Personen und sozialen Einrichtungen benachrichtigt werden müssen, welche regionalen Notrufnummern im Zweifelsfall weiterhelfen. Nach der Unterzeichnung einer Selbstverpflichtung erhalten sie dann den Aufkleber, der für Kinder gut sichtbar am Geschäftseingang angebracht wird.

Mit dieser Projekt-Partnerschaft setzen Gewerbetreibende ein deutliches Signal für Kinder und gegen Täter. Gemeinsam mit Politik, Wirtschaft, Schule und Bürgern treten sie gegen die Gleichgültigkeit gegenüber Kindern ein.


Notinseln in Tiergarten Süd

In Berlin-Mitte ist auf Initiative des Quartiersmanagements Magdeburger Platz - Tiergarten-Süd und in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft der Polizei und dem MediationsZentrum Berlin e.V. ein Pilotprojekt mit 17 Notinseln im Gebiet um die Potsdamer Straße und den Magdeburger Platz entstanden.

Notfälle gibt es den Auskünften der Partner zufolge im Gebiet Magdeburger Platz - Tiergarten-Süd selten. Doch für Situationen, in denen Kinder tatsächlich einmal Hilfe brauchen, stellen die Notinseln einen Zufluchtsort im öffentlichen Raum dar, der von informierten Kindern und Jugendlichen sowie teilweise auch von Erwachsenen dankbar angenommen wird.


Praktische Erfahrungen

Im Frühsommer 2010 suchten zwei Kinder in großer Aufregung eine Notinsel in Tiergarten-Süd auf. Sie hatten sich vor einem Mann gefürchtet, der sich merkwürdig verhielt. Von den Mitarbeitern des Geschäfts konnten die Kinder beruhigt werden. Da der fremde Mann auf der Straße allerdings nicht wiederzufinden war, konnten die Kinder in Begleitung eines Mitarbeiters das Geschäft verlassen und nach Hause gehen.

Auch alltägliche Situationen, die einen bedrohlichen Anschein machen, lassen sich durch das Hilfeangebot der Notinseln oft leichter aufklären. Während eines anderen Vorfalls fühlten sich Kinder ebenfalls von einem Mann beobachtet und flüchteten in ein Geschäft, das als Notinsel ausgewiesen war. Der Mann konnte daraufhin allerdings vom Geschäftsinhaber als Nachbar identifiziert werden. Im Gespräch mit ihm wurde das Missverständnis schließlich ausgeräumt.

Auch hier können Notinseln Kinder unterstützen, indem sie ihnen bei der Bewertung einer mehrdeutigen Situation helfen und ihnen ihre Ängste nehmen. Die Schaffung und der Erhalt einer Institution, in der die schwächsten und schutzbedürftigsten Mitglieder unserer Gesellschaft sich in jeder Lage ernst genommen fühlen, ist hierbei von größter Bedeutung für die zukünftige sozialräumliche Entwicklung des Gebiets.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Notinsel-Projekt für Kinder und für Erwachsene - und natürlich steht Ihnen die Notinsel-Homepage zur Verfügung.

text: Caroline Häberle; grafik: Notinsel