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Großbordell wird nicht genehmigt - der Bürgerprotest war erfolgreich

Bordell

Die mit Spannung erwartete Entscheidung ist gefallen, viele werden es in der Tagespresse gelesen haben: Das Großbordell an der Ecke Kurfürstenstraße/Potsdamer Straße wurde nicht genehmigt, das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat den entsprechenden Antrag auf Umnutzung abgelehnt.

Das ist ganz sicher auch ein Sieg der Bürgerinnen und Bürger, deren massiver Protest von Mitgliedern des Quartiersrates organisiert wurde. Es ist allerdings vorerst nur ein Etappensieg, denn gegen die Entscheidung kann der Antragsteller Widerspruch vor dem Verwaltungsgericht einlegen.
Zwar sind sich die Juristen des Bezirks sicher, dass ihre Entscheidung auch dort bestehen wird, doch ist Prostitution ein legales Gewerbe und das Gebäude liegt in einem so genannten Kerngebiet. Die nächste spannende Frage wird sein, ob auch das Verwaltungsgericht anerkennt, dass von einem solchen „Laufhaus“ genannten Großbordell Belästigungen und Störungen ausgehen werden. Von einem Bürgerprotest lassen sich Kommunalpolitiker manchmal beeindrucken, nicht aber Richter. Nicht umsonst sagt man: Vor Gericht und auf hoher See ist jeder in Gottes Hand.

Auch Stephanie Klee, Sprecherin des Bundesverbandes sexueller Dienstleistungen hält den Standort für ungeeignet, an der Stelle sei schon genug Prostitution, so dass es hier „kein gedeihliches Miteinander mit den Anwohnern geben kann.“

„Was Sie schon immer genauer wissen wollten…“

Was Sie schon immer genauer wissen wollten...
Was Sie schon immer genauer wissen wollten...

Unter diesem Titel hat der Quartiersrat eine Informationsveranstaltung über Prostitution im Kiez organisiert. Dabei ging es auch darum, Einsichten in ein für viele undurchsichtiges Gewerbe zu geben und, so die Hoffnung, die Kommunikation zwischen Anwohnern und Vertretern der Prostituierten zu fördern, auf dass ein „gedeihliches Miteinander“ in Sichtweite gerate.

Dass so ein Abend leicht werde würde, war nicht zu erwarten. Er wurde schwer. Bei vielen Menschen ist dieses Thema emotional enorm aufgeladen. Abgesehen von moralischen und ethischen Vorstellungen drängen sich beim Thema Prostitution eben auch Stichworte wie Drogenabhängigkeit, Zwangsprostitution und Menschenhandel ins Gespräch. Und dort geistern sie dann mehr oder weniger undifferenziert herum.

Ein differenzierter Umgang mit diesen Begriffen und Vorstellungen ist aber die Voraussetzung für eine Kommunikation. Das kam an diesem Abend immer wieder zur Sprache.

„Ich bin 40 Jahre alt und verdiene meinen Lebensunterhalt seit 16 Jahren auf der Straße, und ich habe noch nie etwas Kriminelles getan“, sagte eine Frau aus dem Publikum.
uch die Vertreterinnen des Frauentreff „Olga“, und von „Hydra“ wiesen immer wieder darauf hin, dass nicht alle Prostituierte zwangsprostituiert oder „gehandelte Frauen“ sind, nicht alle sind drogensüchtig. Stephanie Klee sprach vom Straßenstrich, der ja nur eine Erscheinungsform des großen Bereichs Prostitution ist, als von einer Möglichkeit, ohne Zwang zu arbeiten, nach Lust und Laune, auch als Möglichkeit für Hausfrauen, sich etwas dazu zu verdienen, wann und wie sie es können. Sie räumte allerdings auch ein, dass Prostitution auf der Straße hauptsächlich anders organisiert wird.

Wünsche äußern

Ein Bürger nannte den Abend mit deutlichem Unmut eine „Prostitutionsverständnisveranstaltung“ und sagt: „Ich will gar nicht wissen, was für Sie für Probleme haben. Wir wollen wissen, was wir dagegen tun können.“ Andere klagten über Lärmbelästigung und Belästigung durch erhöhten Autoverkehr.

Als die Bitte geäußert wurde, die Prostituierten möchten doch wenigstens nicht im Eingangsbereich der Moschee in der Kurfürstenstraße stehen, griff Michaela Klose vom Frauentreff „Olga“ sie sofort auf und sagt, da sie sowieso mit den Frauen im ständigen Kontakt stehe, wolle sie die Bitte weiter tragen.

Daran schloss sich die Sprecherin des Quartiersrates und Moderatorin des Abends Regine Wosnitza an und schlug den Anwohnern vor, ihre Wünsche an die Prostituierten per Email an quartiersrat[at]tiergarten-sued[.]de zu schicken, man könne zwar nicht garantieren, dass alle in Erfüllung gingen, aber man wolle sich bemühen.

Eine Frage blieb unbeantwortet, nämlich die, warum sich der Zorn der Anwohner vor allem gegen die Frauen, nicht aber gegen die Kunden richte. Und was weiß man denn über diesen Kundenkreis? Es sollen in Deutschland eine Million pro Tag, es soll jeder dritte Mann sein. Das ist noch nicht wirklich viel.
Sie kommen, das wissen diejenigen, die in dem Gewerbe arbeiten oder die es beobachten, aus allen denkbaren sozialen und kulturellen Schichten, sie sind alt und sie sind jung, sie haben Kinder oder auch keine, sie sind verheiratet, leben in einer Partnerschaft oder allein. Das ist dann doch schon eine ganze Menge.

Und doch, so dringend es notwendig ist, die Kommunikation zwischen Anwohnern und allen Beteiligten des Gewerbes zu verbessern, mit den Kunden wird man, diese Prognose fällt leicht, nicht ins Gespräch kommen.

text: BuM (QB 37); foto: wolk; grafik: Einladung