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    Das Landesprogramm "STARK gemacht! - Jugend nimmmt Einfluss" nimmt ab sofort Anträge in der ersten Förderrunde für das Jahr 2017 entgegen. Damit Ihr mit Euren Ideen für mehr jugendliches Engagement und für ein demokratischeres Miteinander nicht auf dem Trockenen bleibt, fördert der Jugend-Demokratiefonds Berlin Projekte mit bis zu 15.000 Euro! Einsendeschluss ist der 22. Januar 2017. [mehr]

Aktuelle Veranstaltungen

Ideenwettbewerb zur Kurfürstenstraße


Kurfürstenstraße 141 – ein ziemlich massiv wirkendes Bauwerk mit Säulen in der Fassade, das einmal prächtig ausgesehen haben muss. Heute wirkt die ehemalige Bauingenieursschule eher grau, trist, und vereinsamt und verlassen, übrig geblieben, stehen gelassen vom Krieg. Es steht zwar der Technischen Fachhochschule (TFH) zur Verfügung, ist aber bisher leer.
Das wird sich von April bis Juli 2005, für die Dauer des Sommersemesters, ändern. Dann nämlich werden mit ungefähr 200 Studenten vor Ort Seminarveranstaltungen zum Thema "städtebauliche Weiterentwicklung des öffentlichen Raums in der Genthiner Straße und Kurfürstenstraße" durchgeführt.

Es gab Zeiten, da galten der Magdeburger Platz, die Genthiner Straße und die Kurfürstenstraße als richtig gute Adresse. Nur wenige übrig gebliebene Reste helfen der Vorstellung, wie es hier einmal aussah, auf die Sprünge, neben dem Haus mit der Nummer 141 etwa die Villa des Stummfilmstars Henny Porten, die heute durch das Café Einstein zu einem beliebten Treffpunkt geworden ist.
Stärker als von solch einladenden Oasen ist das Bild der Kurfürstenstraße jedoch von Parkplätzen, Autohandel und ungenutzten, eingezäunten Brachen geprägt. Die Genthiner Straße wirkt durch die großen Möbelhäuser öde und monoton, nach Geschäftsschluss gar verwaist. Unbelebte Stadträume entwickeln sich oft zu Marktplätzen des Handels jenseits der Legalität. So brachte es auch die Kurfürstenstraße vor über 25 Jahren durch den Bestseller "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" zu trauriger Berühmtheit.
Dieses Stigma klebt noch heute fest am Image der Straße. Ein negatives Image zieht die Realität weiter runter. Da setzt eine Spirale ein, die es erst mal zu unterbrechen gilt, will man eine positive Entwicklung in Gang setzen.

Das ist das Ziel des Projektes "Städtebauliches Forum Kurfürstenstraße" des Quartiersmanagement Magdeburger Platz. Kerstin Müller betreut das Projekt im Auftrag des QM: "Der Blick auf die städtebauliche Problematik der Kurfürstenstraße wird in der öffentlichen Wahrnehmung verstellt durch das Stigma als sozialer Brennpunkt mit der besonderen Problematik des Drogenstrichs. Die derzeitige Situation bietet Nischen, die im Zusammenhang mit der Drogen- und Prostitutionsszene der Kurfürstenstraße den Aspekt der öffentlichen Sicherheit beeinträchtigt."

Auch der Präventionsbeauftragte des Abschnitts 34 der Polizei weiß aus Erfahrung: "Die Qualität des Sozialraums färbt ab auf das Sozialverhalten der Menschen".
Das QM Schöneberger Norden und der Fachbereich Architektur konnten für das Projekt als Kooperationspartner gewonnen werden.
Dass die eine Straßenseite zu Tiergarten, die andere aber zu Schöneberg gehört, ist ein Umstand, der die stadtplanerischen Überlegungen in der Vergangenheit sicher nicht gefördert hat.
Außerdem gehören zwei große Brachen auf der Schöneberger Seite den Ländern Litauen (Kurfürsten- Ecke Kielganstrasse) und Polen (Ecke Else-Lasker-Schüler-Straße), die dort eigentlich ihre Botschaften bauen wollten. Hier wird die Frage zu beantworten sein, ob es gelingt, ein Konzept für eine temporäre Nutzung bis zur endgültigen Bebauung zu erarbeiten.

Kerstin Müller: "Zu den Seminaren der TFH werden wir öffentliche Veranstaltungen ausrichten, mit dem Ziel, das Augenmerk sowohl der Studenten als auch der lokalen Akteure auf die enge Verknüpfung der städtebaulichen Misere der Kurfürstenstraße mit der sozialen Problematik zu lenken." Einbezogen werden sollen natürlich auch die Anwohner, die Gewerbetreibenden, Eigentümer, Experten (beispielsweise von den Trägern sozialer Einrichtungen, aber auch der Behörden) und die zuständigen Planungsabteilungen des Senats und der Bezirke.

Das Qm geht davon aus, dass ein interdisziplinärer Ideenwettbewerb der Studenten die notwendige Diskussion sehr beleben kann. Es geht um den gesamten Straßenverlauf von der Einemstraße bis zur Potsdamer Straße. Man darf gespannt sein, was den Studenten einfällt, was alles möglich wäre, wenn …, ja wenn dann auch gehandelt werden könnte. Die Arbeiten werden von einer Jury prämiert und sollen für eine Weiterentwicklung der Kurfürstenstraße empfohlen werden.

"Wenn jemand unbedingt eine Straftat begehen will, werden wir das nicht verhindern können", sagt Rocco Röske, seit eineinhalb Jahren Präventionsbeauftragter des Abschnitts 34 der Berliner Polizei, in dem auch das QM-Gebiet Magdeburger Platz liegt. Dann tritt eben der Fall ein, den man in unendlich vielen Varianten kennt: die Polizei wird gerufen und muss den Täter suchen oder den Schaden regeln. Ist es trotzdem möglich, Straftaten vorzubeugen, also präventiv tätig zu werden?

"Es ist einfach zu teuer, zu warten bis das Kind in den Brunnen gefallen ist", sagt Röske. Deshalb ist er beispielsweise in den Schulen präsent. "Prävention kann nicht alles sofort grade biegen, aber wir können versuchen, Kinder dazu zu bewegen, sorgsam mit ihren Gefühlen umzugehen." Oder er geht zu Seniorengruppen und betreibt Aufklärung zum Thema Falschgeld. Für das subjektive Sicherheitsgefühl sei es wichtig damit umgehen zu können." Es gehe vor allem darum, die Zusammenhänge transparenter zu machen.

Die Kurfürstenstraße wird von der Polizei als ein "kriminalitätsbelasteter Ort" eingestuft. "Das heißt, wir können abweichend von den normalen Befugnissen in verstärktem Maße polizeilich tätig werden, wir können Personen überprüfen und, wenn sie zu denen gehören, die den Ort belasten, auch des Ortes verweisen." Das geschehe auch, das sei ein permanenter Prozess, da bedürfe es keines ausdrücklichen Anrufs aus der Bevölkerung. In der Kurfürstenstraße geht es dabei hauptsächlich um Drogendealerei und Prostitution. Wobei die Prostituierten nicht die Hauptaufmerksamkeit der Polizei beanspruchen, sondern vor allem die Dealer und die Drogensüchtigen. Die einen kann man festnehmen, die andern bekommen dann eben den Platzverweis.

Und obwohl das ein "permanenter Prozess" ist, ändert sich nichts daran, dass die Kurfürstenstraße für diese Art der Kriminalität ein bevorzugter Ort ist. "Es ist auch die bauliche Struktur", sagt Röske, "es ist die verkehrliche Situation, es ist ein passendes Umfeld da, das diese Dinge begünstigt. Das gesamte Ambiente spielt eine Rolle. Wie ist der Gesamteindruck? Die Qualität des Sozialraums färbt ab auf das Sozialverhalten der Menschen. Die Kurfürstenstraße ist eine bevorzugte Örtlichkeit für Leute, die dunkle Geschäfte machen oder Straftaten begehen wollen."

Wenn jetzt Studenten der TFH ihre Ideen für die Kurfürstenstraße sprudeln lassen und versuchen, eine sinnvolle Planung aufzustellen, dann wird auch der Präventionsbeauftragte die polizeilichen Aspekte dort einbringen. "Die städtebauliche Bestandsaufnahme hat mit unserem Dienst nicht direkt etwas zu tun, aber es ist nützlich, auf die bauliche Gestaltung Einfluss zu nehmen."

Nach Rocco Röskes Einschätzung ist das jetzt auch eine gute Zeit, die Bürger und die Geschäftsleute an solchen Prozessen zu beteiligen. In seinem Erfahrungsbereich stellt er "ein wachsendes Bedürfnis fest, sich zu beteiligen, und es ist ja auch erstaunlich, wie viel Kompetenz dabei geweckt wird."


Veranstaltungen des "Forum Kurfürstenstraße"

6. April 2005
10 Uhr Ortsbesichtigung der Studenten, geführt durch Vertreter des QM und des Bezirks
13 bis 15.30 Uhr Einführungsveranstaltung in die Seminarreihe
Es sprechen Referenten des QM, des Bezirks und des Senats

13. April 2005 18 Uhr Öffentliches Forum zum Thema "Leitbild Kurfürstenstraße"

20. April 2005 18 Uhr Öffentliches Forum zum Thema "Sozialraum"

27. April 2005 18 Uhr Präsentation der Zwischenergebnisse der städtebaulichen Konzepte

6. Juli 2005 Präsentation der Entwürfe (TFH-Intern)

13. Juli 2005 Preisgericht Wettbewerb

14. Juli 2005 18.00 Uhr Vernissage der prämierten Semesterarbeiten

Ab 15 Juli 2005 Öffentliche Ausstellung der prämierten Semesterarbeiten

text: BuM (QB 22); fotos: BuM (QB22), wolk