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Drei rote Rosen und Käsespätzle: Die Joseph-Roth-Diele in der Potsdamer Straße

„Die Liebe nämlich, meine Freunde, macht uns nicht blind,
wie das unsinnige Sprichwort sagt,
sondern im Gegenteil, sehend.“

Joseph Roth


Am Freitagabend um halb neun wird die Jazz-Musik ausgeschaltet, die Gäste unterbrechen ihre Gespräche, es wird still in der Joseph-Roth-Diele. In der hintersten Ecke des Raumes, auf dem Podest der Treppe, die zu den Toiletten führt, hat ein Mann mit Tagesspiegel-Jacke Aufstellung genommen. Er singt, bevor er die druckfrische Samstags-Ausgabe verkauft „Drei rote Rosen“. Auch wenn wir den Text nicht Zeile für Zeile verstanden haben, eines war unüberhörbar: Ohne Hemmung oder Angst vor Pathos genießt der Sänger besonders die Steigerung in die immer leiser werdenden Töne bevor das Lied verklingt. Der Beifall ist ihm sicher, dann geht es weiter mit den Gesprächen und mit dem Jazz.   

Wir hätten den Flammkuchen bestellen können, mit Speck oder ohne Speck, wir hätten auch eine oder zwei „Dielenstullen“ essen können, die werden immerhin mit so herzhaften Dingen wie Harzer oder Blutwurst oder Zwiebelmett, aber auch mit milden Käsen und Würsten belegt und kosten nur zwei Euro oder zweifuffzig. Wir haben uns aber für die Käsespätzle mit Salat (5,95 Euro) entschieden.

Vor etwa sieben Jahren hat die Joseph-Roth-Diele eröffnet, angeschoben mit finanzieller Unterstützung des Quartiersfonds. Einige werden sich noch erinnern: Damals konnten die Bürgerinnen und Bürger eines jeden QM-Gebietes eine Million Deutsche Mark – ja, wir zahlten noch nicht mit dem Euro – für etwas ausgeben, was ihrem Kiez zum Besseren verhilft. Das war gewissermaßen der Startschuss für die Bürgerbeteiligung, die dann auf die ersten Erfahrungen aufbauend in der jetzigen Form des Quartiersrates organisiert wurde.

Neben dem Devotionalienladen „Ave Maria“ entdeckten Dieter Funk und Ulrike Schuster diesen Raum, der damals noch als Sarg-Lager genutzt wurde, aber schon alle Voraussetzungen für eine Gaststätte bereithielt. Es sprach alles dafür, dass in diesem Laden auch schon früher, vielleicht so in der Mitte der Zwanziger Jahre, als Joseph Roth im Nebenhaus wohnte, ein Café oder eine Kneipe betrieben wurde. Unwahrscheinlich ist die Vorstellung, dass der Schriftsteller dort nicht verkehrte.

Nicht erst heute, schon nach kurzer Zeit war erkennbar, dass das Konzept, das Dieter Funk mit einigen Freunden und Bekannten entwickelt hatte und schließlich umsetzen konnte, aufging. Das Lokal passt in die Potsdamer Straße, vielleicht auch deshalb, weil der Raum Erinnerungen oder Vorstellungen einer anderen Zeit wachruft. Er ist nicht gestylt, sondern behutsam so eingerichtet, als sei er schon immer da gewesen. Behutsam deshalb, weil dieser Eindruck „schon immer da gewesen“ überhaupt nicht gefälscht wirkt. Das passt übrigens auch gut zu Joseph Roth, diesem Erzähler aus einer vergangenen Welt. Er ist anwesend, seine Sätze hängen collagiert von Liebhard Zimmer gerahmt an den Wänden, zwischendurch Portraitfotos von ihm. Seine Bücher stehen jedem Gast in einem Fries zum Lesen bereit, auf der Theke liegt ein Stapel „Die Erzählungen“ für zehn Euro.

Die Käsespätzle waren hervorragend. Gute Konsistenz und mit dem Schinken sehr würzig. Das Essen ist einfach. Aber gut. Es besticht nicht durch ehrgeizige Raffinesse, sondern durch Qualität. Einfach gut und allemal seinen Preis wert. In der Joseph-Roth-Diele ist alles einfach, nichts trumpft hier auf, nichts stört denjenigen, der lesen möchte oder diejenigen, die sich unterhalten wollen. Selbst der Sänger der drei roten Rosen bittet nur einen kurzen Moment um Aufmerksamkeit.


Joseph-Roth-Diele
Potsdamer Straße 75
Montag - Freitag von 10 - 24 Uhr geöffnet

text: BuM (QB 41)