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    Nach fast 17 Jahren läuft das Quartiersmanagement-Verfahren im Gebiet um den Magdeburger Platz aus. Zeit für das QM-Team, um sich zu verabschieden. Und wie geht's weiter ab 2017? Hier finden Sie auch den Kontakt für die nachfolgende Stadtteilkoordination. [mehr]
  • Vorschläge für Bezirksverdienstmedaille gesucht!

    Das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung Mitte zeichnen auch für das Jahr 2016 wieder Personen mit einer Bezirksverdienstmedaille aus, die sich mit ihrem ehrenamtlichen Engagement und/oder mit ihren persönlichen Leistungen in herausragender Weise um Mitte verdient gemacht haben. Vorschläge für die Bezirksverdienstmedaille können bis zum 31.12.2016 eingereicht werden. Hier finden Sie die Details dazu. [mehr]
  • 1. Ausschreibung des Jugend-Demokratiefonds Berlin 2017

    Das Landesprogramm "STARK gemacht! - Jugend nimmmt Einfluss" nimmt ab sofort Anträge in der ersten Förderrunde für das Jahr 2017 entgegen. Damit Ihr mit Euren Ideen für mehr jugendliches Engagement und für ein demokratischeres Miteinander nicht auf dem Trockenen bleibt, fördert der Jugend-Demokratiefonds Berlin Projekte mit bis zu 15.000 Euro! Einsendeschluss ist der 22. Januar 2017. [mehr]

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Immer mehr Galerien kommen nach Tiergarten Süd - Kunstkonzentration stabilisiert Quartier

Der Hof in der Potsdamer Straße 91

Im September teilte die Galerie Klosterfelde mit: „Galerie Klosterfelde zieht in die Potsdamer Straße 93. Nach acht Jahren Galerietätigkeit in der Zimmerstraße freuen wir uns sehr, den Umzug in neue Räumlichkeiten ankündigen zu dürfen. Unser neuer Standort ist ein ehemaliges Wohnhaus aus dem Jahre 1882 in Berlin Tiergarten. In der ersten Etage wurden die vorhandenen Räume in Ausstellungsflächen und Arbeits- und Lagerbereiche umgewandelt. Die erste Ausstellung, die am 24. September eröffnet, ist eine Gruppenausstellung, an der alle Galeriekünstler teilnehmen.“
Etwa gleichzeitig gibt die Galerie Eva Bracke ihre neue Adresse bekannt: Potsdamer Straße 91. Und auch die Kunstausstellungen Walden, die sich bisher in der Kastanienallee präsentiert haben, sind in die Potsdamer Straße 91 gezogen.
Es werden immer mehr Galerien, die ins Quartier Tiergarten Süd kommen. Die Potsdamer Straße und ihre Umgebung hat sich neben der Heidestraße am Hauptbahnhof und Berlin Mitte als dritter Standort Berlins für zeitgenössische Kunst etabliert, und das wird sowohl von der regionalen, als auch von der überregionalen Presse so wahrgenommen.


Da gehen einem Dinge durch den Kopf –

Es lohnt sich also, zu einem Galerienbummel aufzubrechen, allein in der Kurfürstenstraße wird man auf hundert Metern vier Ausstellungsräume besuchen können. Das Schöne an einem solchen Spaziergang ist, dass so viele Überraschungen auf einen warten. Ob gemalt oder gezeichnet, plastiziert oder zerstört, gemeißelt oder gelötet oder geschnitzt – man geht hinein und steht plötzlich vor einem verkleinerten oder vergrößerten Ausschnitt der Wirklichkeit, wie man ihn noch nie gesehen hat.
Immer sieht man etwas zum ersten Mal. Mal wird die Wirklichkeit abgebildet, mal völlig neu gesetzt. Und dann steht, liegt oder hängt sie da und schaut einen an. Ob man dagegen ist oder dafür ist den Kunstwerken völlig egal. Sie reagieren nicht auf uns, wir reagieren auf sie. Sie sind gegen unser Urteil immun. Dann geht man weiter, und vielleicht kommt man noch mal zurück und schaut, ob man richtig gesehen hat und ob man seinen Augen trauen darf. Und das Gehirn denkt in diesen Momenten Dinge, auf die es im Alltag nie kommen würde. So ein Galerienbummel hat etwas enorm erfrischendes.

Die zeitgenössische Kunst kennt weder in ihren Techniken noch in den verwendeten Materialien irgendwelche Grenzen. Wer von einer Galerie in die nächste geht, lässt sich auf ein erstaunliches Spektrum an Erscheinungsformen der zeitgenössischen Kunst ein. Und auch die Ausstellungsräume sind oft sehens- und bedenkenswert. In Mitte sind es vor allem Läden in einem hochsanierten Gebiet.

Die Heidestraße, der zweite große Kunststandort Berlins am Ostrand von Moabit, geht zwar vom Hauptbahnhof aus, ist aber alles andere als ein urbaner Ort. Eher ein Unort. Die Heidestraße war immer ein Verkehrsweg durch ein Infrastrukturgebiet. Auf der einen Seite der Hamburger Bahnhof und der Schifffahrtskanal, auf der anderen Seite der Containerbahnhof, heute eine riesige Brache wie das Gelände am Gleisdreieck.

Auf der einen Seite Laderampen, auf der anderen leer stehende Fabrik- und Lagerhallen in allen Größen. Kein Ort für Menschen, eher einer für LKWs. Und dann gibt es dort genau das, was sich viele Ausstellungsmacher zeitgenössischer Kunst wünschen: Räume, die sich als solche nicht aufdrängen, die einfach nur Platz schaffen, sich zurückhalten und den Kunstwerken nicht die Show stehlen. Innenräume, die in einer Außenwelt stehen, die nichts zu sagen hat, auch gar nichts sagen will, leer daliegt, nur als Möglichkeit.

Das „Freie Museum Berlin“

Es geht dem „Freien Museum Berlin“ nicht um Kunsthandel, sondern um Kunstausstellungen.

Ganz anders im Quartier Tiergarten Süd. Hier ist die Stadt belebt. In der Kurfürstenstraße sind ehemalige Garagen Ausstellungsräume, oder eine Wäscherei oder Lagerräume oder eine ehemalige Eckkneipe. In der Potsdamer Straße sind es tolle, riesengroße Wohnungen oder eben, in einem Hinterhof, von allem etwas. Potsdamer Straße 91 – wo ein kleines Hotel betrieben wird, die „Villa Amadeus“, sind nicht nur die Galerien Walden und Eva Bracke eingezogen, dort hat Marianne Wagner auch das „Freie Museum Berlin“ in einer alten Manufaktur eröffnet, auf drei Etagen.

Marianne Wagner hat selbst als Kunsthändlerin gearbeitet und Ausstellungen organisiert. Doch sie beklagt, dass heute der Kunstmarkt und der Kunstsammler wichtiger seien als der Künstler und sein Werk. „Das befriedigt mich nicht“, sagt sie. Deshalb hat sie das „Freie Museum Berlin“ gegründet. Im Erdgeschoss, wo auch eine Bar eingerichtet ist, hängen zur Zeit noch Malereien von russischen Künstlerinnen und Künstlern, in den beiden oberen Etagen präsentiert Wagner polnische und tschechische Maler und Videokünstler.
„The Balance“ nennt Jakub Jasiukiewicz ein Video, auf dem wir sehen, wie er mit roher Gewalt ein Metallwägelchen von der Größe eines Teewagens und der kühlen Ausstrahlung eines Krankenhausgeräts zertrümmert und zerreißt, und während wir ihm dabei zuschauen, stehen wir vor eben diesem Wagen, der aus den verbeulten und verbogenen Metallteilen wieder zusammengesetzt wurde. – Eine Wand ist mit dem von einer Supermarktkette bekannten Schriftzug tapeziert, das Wort heißt hier allerdings unreal,-. Es gehen einem plötzlich Dinge durch den Kopf, die sich im Alltag da nie hineintrauen würden.
Das „Freie Museum Berlin“ lebt nicht vom Verkauf der Werke, es stellt nur aus. Hinter dem „Freien Museum“ steht ein Verein, der das Haus trägt. In diesem Verein arbeiten auch Rechtsanwältinnen, die auf Kunst-, Vertrags- und Urheberrecht spezialisiert sind. Die Künstlerinnen und Künstler können sich dort bei Bedarf beraten lassen.

Allein dieser Hof Potsdamer Straße 91 lohnt schon einen Besuch. Aber wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich ein Haus weiter gehen und natürlich gegenüber mal reinschauen und noch ein paar Häuser weiter, und dann ist man auch schon in der Kurfürstenstraße.