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Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord: Doppelausstellung: Christopher Winter / Heribert Bücking

© Christopher Winter, »Golden Fountain (after Bruce Nauman)«, 2009, Foto: Uwe Walter
© Christopher Winter, »Masks«, 2009, Foto: Uwe Walter
© Christopher Winter, »The Trophy Tree«, 2008, Foto: Uwe Walter
© Heribert Bücking, aus der Serie »Kopfbaustelle«, 2000, Foto: Ilona Ripke
© Heribert Bücking, aus der Serie »Messgeräte I«, 2010, Foto: Ilona Ripke

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen einer Doppelausstellung stellt der Kunstverein Tiergarten den englischen Maler Christopher Winter und den Berliner Zeichner und Kupferstecher Heribert Bücking vor.

Doppelausstellung: Christopher Winter / Heribert Bücking

4. Juni - 10. Juli 2010


Black Ghosts - Christopher Winter


Eröffnung: 4. Juni, 20 Uhr

Mit der ersten umfangreichen Einzelausstellung in Berlin stellt der Kunstverein Tiergarten aktuelle Arbeiten des 1968 in England geborenen und in Berlin lebenden Malers Christopher Winter vor. Seine figurative Malerei ist durch plakativ angelegte Bildfindungen, starke Farbigkeit und zahlreiche Reminiszenzen an die amerikanische Pop-Art charakterisiert. In seinen Themen und Bildfindungen seziert Christopher Winter mit hintergründigem Humor gesellschaftliche Tabus und die Abgründe der kollektiven Doppelmoral. Das brillante Spiel mit skurrilen Sujets, absurden Überzeichnungen und sarkastischen Kommentaren kennzeichnet den Künstler als aufmerksamen Beobachter einer massenmedial verzerrten Bildwelt, durch die er hinter den Spiegel gesellschaftlicher Zustände schaut.

Mal bedient er sich dabei volkstümlicher Vorlagen, wie scheinbar harmlosen Postkarten, Reisesouvenirs oder Bilderbüchern, um hinter der naiven Fassade heiler Welten - nicht selten von Kindern repräsentiert - gesellschaftlichen Projektionen und extremen Überzeichnungen auf den Grund zu gehen, mit denen von problematischen Zusammenhängen abgelenkt werden soll. Ein anderes Mal dienen ihm die Ikonen der älteren und jüngeren Kunstgeschichte für eine ironische Offenlegung subtiler Sexismen und erotischer Aufladungen.

»Black Ghosts« wiederum sind die (un-)sichtbaren Protagonisten bisweilen makabrer Szenen und hintergründiger Grotesken, in denen Winter nicht nur dem Spuk kindlicher Erlebniswelten auf den Grund zu gehen versucht, sondern in denen gleichermaßen das Schauerliche als Motiv der europäischen Kunstgeschichte prominent hinterfragt und in Bezug auf die Gegenwart karikierend auf die Spitze getrieben wird. Mit Goya, Füssli, Blake und Hitchcock stehen die Altmeister des Genres Pate für ein meisterhaftes Vexierspiel mit Kostümierung, Camouflage und Ironie, in dem der Glanz des schönen Scheins nicht selten der Beklemmung und brutalen Entschleierung weicht.

Neben Arbeiten aus aktuellen Malereizyklen zeigt die Ausstellung zum Teil großformatige Zeichnungen, in denen Christopher Winters Interesse für die Kunst der Romantik und deren kosmologische Weltvorstellungen zum Ausdruck kommt. Auch hier mündet die Adaption historischer Bildideen in den brillanten Umgang mit zeitgenössischen Themen und aktuellen Fragen zur Funktion von schönen Bildern in Kunst und Gesellschaft.

Kuratiert von Ralf F. Hartmann


Baustelle: Kupferstich - Heribert Bücking

Eröffnung: 4. Juni, 19 Uhr


Aus Anlass seines 70. Geburtstages ehrt der Kunstverein Tiergarten den Berliner Künstler Heribert Bücking mit einer Kabinettausstellung. Seit 30 Jahren arbeitet der 1940 in Ziegenhals (Oberschlesien) geborene Kupferstecher und Zeichner in seiner Moabiter Druckwerkstatt und kann auf ein äußerst umfangreiches Oeuvre von Druckgrafiken und Zeichnungen zurückblicken. Mit seinem Werk stellt er immer wieder aufs Neue unter Beweis, dass tradierte Techniken wie der Kupferstich auch in der medialen Welt der Gegenwart große Aktualität behaupten können.

Entgegen der oftmals begrenzten reproduktiven Praxis eines Kupferstechers interessiert Bücking - wie er sagt - der Druckprozess als eine fortschreitende Entfaltung des Bildes. Sein Arbeitsergebnis sei nicht das einzelne Bild, sondern ein Feld, eine Reihe von Bildvariationen. Grundlage für das Gros der seriellen Kupfersticharbeiten bildet nach wie vor die Zeichnung, in der Heribert Bücking eine seltene Meisterschaft entwickelt hat. Mit dem scharfen Auge des Beobachters widmet er sich nicht den klassischen Sujets des Genres, sondern verschiedenen Alltagsgegenständen, denen er in einer zeichnerischen Analyse ihre eigene Poesie und Hintergründigkeit entlockt. Solchermaßen präzise durchdrungen setzt der Prozess des Stechens eine vielfältige druckgrafische Produktion in Gang, an deren Ende Bildserien stehen, die die Komplexität unserer visuellen Umwelt und ihrer geistigen Aneignung widerspiegeln.

Kuratiert von Claudia Beelitz


Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord
Turmstraße 75
10551 Berlin

Fon 030/ 9018-33453
Fax 030/ 9018-33457

www.kunstverein-tiergarten.de 

Dienstag bis Samstag 13 - 19 Uhr

text/fotos: Einladung