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Parkhaus mit Ärzten und Geschäften - Quartiersrat nimmt Stellung zu Plänen in der Kurfürstenstraße

Eine der vielen Freiflächen an der Kurfürstenstraße wird im Laufe des nächsten Jahres verschwinden. Das kann gut so sein. Bisher wurden auf dem Grundstück an der Ecke Kurfürstenstraße/Genthiner Straße sowieso nur Autos geparkt. Ein Parkplatz auf einem derart zentral gelegenen innerstädtischen Grundstück sieht immer nach Übergangslösung aus.

In diesem Falle dauert der Übergang aber schon Jahrzehnte. Das hat auch mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, mit der Geschichte der Nachkriegszeit, der Teilung der Stadt und schließlich mit dem Ende der Teilung zu tun. Als an einen Fall der Mauer noch niemand gedacht hat, in den 1980er Jahren, wurde diese Fläche als Grünfläche ausgewiesen.
Eine Grünfläche ist sie bis 2004 in den Plänen auch geblieben, in der Wirklichkeit parken bis heute dort Autos. Im Jahre 2004 wurde das Grundstück vom Liegenschaftsfonds ausgeschrieben und 2006 an den Investor Franz-Josef Glotzbach verkauft, der dort ein so genanntes KurfürstenZentrum bauen will.

Das stellt er sich so vor, dass die untere Etage von einem Drogeriemarkt, einem Naturladen, einem Discounter und anderen Läden genutzt werden soll, in der ersten, zweiten und dritten Etage sollen vor allem Parkplätze eingerichtet werden, die Rede ist von 360 an der Zahl, und die obere Etage soll dann ein Ärztezentrum werden. Wie soll man so etwas nun nennen? Ein Center oder ein Parkhaus-Sandwich?

Wie auch immer es einmal heißen wird, Franz-Josef Glotzbach hat das Konzept auf einer öffentlichen Quartiersratssitzung im April im Beisein des Bezirksstadtrats für Stadtentwicklung Ephraim Gothe (SPD) vorgestellt. Der Quartiersrat hat anschließend darüber weiter diskutiert und an Stadtrat Gothe eine vorläufige Stellungnahme geschickt.

Aus Sicht des Quartiersrates fehlt für ein derartiges Bauvorhaben der Nachweis des Bedarfs an Parkplätzen – zumal Möbel Hübner mit einer nicht genutzten Tiefgarage für 250 Plätze unterkellert ist – und des Bedarfs für ein Ärzte- oder Gesundheitszentrum. Außerdem weist der Quartiersrat auf die städtebauliche Situation mit der Zwölf-Apostel-Kirche gegenüber hin und darauf, wie eine schroffe und unlebendige Fassade an der Kurfürstenstraße die Straße als unwirtlichen Stadtraum festlegen würde. Hier wünschen sich die Bürger bessere architektonische Entwürfe.
Außerdem sehen die in diesem Gremium engagierten Bürger die Gefahr, dass Discounter und große Märkte die Kaufkraft aus der Potsdamer Straße abziehen könnten. „Wir fänden es fatal, wenn die mühsam erreichte und noch weiter zu entwickelnde Vitalität der Potsdamer Straße empfindsam gestört oder gar zerstört würde, ...“

Auf jeden Fall möchte der Quartiersrat in die weiteren Planungen mit einbezogen werden und mahnt für die jahrelang versprochene und nun verloren gegangene Grünanlage eine Ausgleichsfläche an. Und dann solle der auch schon lange versprochene Weg von Ecke Kluckstraße/Pohlstraße zur Kurfürstenstraße planrechtlich eingetragen und zusammen mit der Bebauung realisiert werden.

text: BuM (QB 38); fotos: wolk