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Lyra-Club e.V. hört auf, russische Wochenendeschule macht weiter

„Rente? Das ist bloß was Formales“
So reagiert Raisa Belova auf die Frage, ob sie nun eigentlich etwas kürzer treten wolle. Am 11. Okto-ber 2010 ist die resolute Dame 66 Jahre alt geworden. Das wurde ordentlich gefeiert. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement sei deswegen aber noch lange nicht Schluss, auch wenn es den Lyra-Club 2011 nicht mehr geben wird.
Tolstoi und Dostojewski auf Russisch lesen, das können viele Kinder, die in Deutschland groß werden und russische Wurzeln haben, nicht mehr. – „Schade“, findet Raisa Belova. Immerhin bringe die Fähigkeit die zweite Muttersprache zu beherrschen große Vorteile beim Erlernen weiterer Sprachen.
Deswegen gründete die Mathematikerin vor 10 Jahren den Lyra-Club. Der Verein bot der russischsprachigen Gemeinde in Berlin die Möglichkeit ihre Kultur zu leben, einen Ort des Austauschs, aber auch praktische Hilfe, z.B. die Vermittlung von Deutschkursen oder Übersetzung von Dokumenten und bei Arztbesuchen.
Im Jahr 1999 hatte alles angefangen, als das Quartiersmanagement feststellte, dass es zu wenig Projekte für Kinder und Jugendliche gäbe. Zusammen mit Helmut Knieper und Michael Klinnert vom Stadtteilverein Tiergarten e.V. arbeitete sie an einem Konzept. Heraus kamen der Kulturverein Lyra und die russische Wochenendschule. Die Idee dahinter war eine Anlaufstelle für Migranten und Migrantinnen mit russischen Wurzeln zu schaffen. Belova war selbst 1992 mit ihren beiden Söhnen von Kirgistan nach Deutschland emigriert.
Lyra-Club e.V. nur noch 2010
Bei den Senioren kam vor allem das literarische und musikalische Programm sehr gut an. „Wir haben uns auch manchmal bei jemandem Zuhause getroffen, Kaffeerunden veranstaltet oder Geburtstage gefeiert.“ Im Sommer gab es außerdem einen geführten Stadtspaziergang durch Berlin, der begeistert angenommen wurde.
Leider wird es den Verein 2011 nicht mehr geben. „Es kommen leider immer weniger Menschen. Sie werden eben auch älter.“ Einen weiteren Grund vermutet sie darin, dass die Kunstausstellungen, die sie zusätzlich im Nachbarschaftstreff in der Pohlstraße 91 organisierte, nun wegfallen. „Ich würde den Künstlern gerne etwas für ihren Aufwand geben. Aber das Geld fehlt leider.“
Samstags lernen? Hier gerne
Auf jeden Fall weiter macht jedoch die russische Wochenendschule. Das Projekt startete ebenfalls vor 10 Jahren mit dem Ziel, Kinder mit Migrationshintergrund schon im Vorschulalter sprachlich und musisch zu fördern, aber auch Nachhilfe für ältere Schüler zu geben.
Mittlerweile wird auch am Montag, Dienstag und Donnerstag nach der regulären Schulzeit unterrichtet, am Samstag gibt es Vollzeitunterricht ab 900 Uhr. 70 Kinder besuchen das Angebot mittlerweile, das Frau Belova auch weiterhin ehrenamtlich organisieren wird. Mit Hilfe von Fachlehrer/innen, wird neben Deutsch, Englisch und Spanisch mathematisch-logisches Denken gelehrt, aber auch gemalt und gesungen. Schon ab dem dritten Lebensjahr können die Kleinen hier im wahrsten Sinne des Wortes das Lernen lernen. „Und unsere Schüler sind später fast immer Klassenbeste“, verrät die engagierte Dame stolz.






