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Neues Team im Nachbarschaftstreff


Wenn die Sonne in diesem schönen Herbst hinter einem der Möbelhäuser verschwindet, wird es ganz plötzlich kühl. Der Stammtisch, der so lange es ging, noch draußen saß, zieht um, setzt sich rein und spielt weiter. Seit längerem schon kommen die mal vier, mal fünf Senioren jeden Tag. Außer dienstags und samstags, dann ist nämlich geschlossen. Donnerstags, wenn gekocht wird, kommen zwischen 20 und 25 Leute in den Nachbarschaftstreff und essen zusammen. Einige kommen einzeln oder zu zweit auf eine Tasse Kaffee vorbei oder auf ein Stück Kuchen. Gebacken wird immer.

Es sagt viel über einen Stadtteil aus, wie ältere Menschen, Senioren dort leben können. Wie viele haben einen großen Teil ihres Lebens in einem Kiez gelebt, haben sich in ihrer Nachbarschaft wohl gefühlt, hatten ihre Stammgeschäfte, der eine oder andere vielleicht eine Stammkneipe, kannten diesen und jenen! Und dann, dann treffen sie immer seltener ihre Bekannten, dann wechseln die Ladenbetreiber, dann schließt das Lokal, dann könne sie mit dem stetig steigenden Tempo nicht mehr mithalten – dann bleiben auch sie immer öfter zu Hause.
Anfangs werden sie vielleicht noch von einem oder zwei anderen vermisst, "den hat man auch schon lange nicht mehr gesehen", und irgendwann werden sie vergessen. Das Leben in einer Großstadt.
Seit zehn Jahren bietet der Nachbarschaftstreff des Stadtteilvereins Tiergarten Räume, Personal, Hilfen und Veranstaltungen an, damit es genau so im Innenstadtbezirk der Hauptstadt nicht ist. Die Angebote werden angenommen, die Menschen kommen. Und was ist mit denen, die nicht mehr kommen können, weil sie sich alleine gar nicht mehr aus ihren Wohnungen trauen, oder die im Rollstuhl sitzen? Die werden, wenn sie wollen, abgeholt.

Seit August arbeitet ein neues Team im Nachbarschaftstreff, insgesamt sieben Leute, zwei von ihnen im Begleitdienst. Vier sind für den Café- und Küchenbereich zuständig und Doris Piontkowski für den Außendienst und die Koordination. Was heißt Außendienst? Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Elisabeth-Krankenhaus, mit dem Pflegeheim in der Genthiner Straße und mit der Zwölf-Apostel-Gemeinde fördern. Vor allem aber auch reingehen in die Häuser und Kontakt zu den Menschen suchen, die zu Hause sitzen und jeglichen Kontakt verloren haben und so auch gar nicht wissen können, welches Angebote sie annehmen könnten.

Doris Piontkowski organisiert Ausflüge, wobei sie immer darauf achten muss, ob das Ziel auch wirklich für jeden, also auch für Rollstuhlfahrer zu erreichen ist. Sie ist als gelernte Gymnastiklehrerin und Bewegungstherapeutin schon längere Zeit arbeitslos, engagiert sich aber ehrenamtlich in ihrer Kirchengemeinde in Wedding. Nach Tiergarten kam, weil sie zusammen mit einem bekannten im St. Elisabeth-Krankenhaus für die Senioren gesungen hat – auch das aus der Freude, anderen Freude zu bereiten. Da erfuhr sie, dass hier im Nachbarschaftstreff eine Stelle zu besetzen war, für die sich eine Bewerbung lohnen würde. Gehört, getan. Es handelt sich bei allen im Team um ABM-Stellen, die auf ein Jahr befristet sind.

Ein neues Team muss den Nachbarschaftstreff nicht neu erfinden, kann ihn aber neu impulsieren. Ein paar Tage im Oktober hatte der Treff geschlossen. Die Farbe musste einmal aufgefrischt werden. Aber das ist längst erledigt. Jetzt gelten wieder die Öffnungszeiten:

Mo, Mi, Do, Fr 10 bis 18 Uhr
So 14 bis 18 Uhr
Di, Sa geschlossen
Pohlstraße 91
Telefon 261 62 56


text: BuM (QB 25); foto: MKlinnert