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  • Das Quartiersmanagement-Team verabschiedet sich

    Nach fast 17 Jahren läuft das Quartiersmanagement-Verfahren im Gebiet um den Magdeburger Platz aus. Zeit für das QM-Team, um sich zu verabschieden. Und wie geht's weiter ab 2017? Hier finden Sie auch den Kontakt für die nachfolgende Stadtteilkoordination. [mehr]
  • Vorschläge für Bezirksverdienstmedaille gesucht!

    Das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung Mitte zeichnen auch für das Jahr 2016 wieder Personen mit einer Bezirksverdienstmedaille aus, die sich mit ihrem ehrenamtlichen Engagement und/oder mit ihren persönlichen Leistungen in herausragender Weise um Mitte verdient gemacht haben. Vorschläge für die Bezirksverdienstmedaille können bis zum 31.12.2016 eingereicht werden. Hier finden Sie die Details dazu. [mehr]
  • 1. Ausschreibung des Jugend-Demokratiefonds Berlin 2017

    Das Landesprogramm "STARK gemacht! - Jugend nimmmt Einfluss" nimmt ab sofort Anträge in der ersten Förderrunde für das Jahr 2017 entgegen. Damit Ihr mit Euren Ideen für mehr jugendliches Engagement und für ein demokratischeres Miteinander nicht auf dem Trockenen bleibt, fördert der Jugend-Demokratiefonds Berlin Projekte mit bis zu 15.000 Euro! Einsendeschluss ist der 22. Januar 2017. [mehr]

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Portraits von QuartiersRats-Mitgliedern

Im Quartiersblatt Nummer 33 vom April 2007 setzen wir unsere Reihe fort: Hier stellen wir Ihnen auf mehreren Seiten die QuartiersRats-Mitglieder vor, viel Spaß beim Blättern und Lesen!

Diesmal im Portrait:

  • Silke Homeyer
  • Jörg Borchardt
  • Heidrun Abraham
  • Esra Aydin
  • Jutta Richter

- Mehr per Klick: Hier geht´s zu den Portraits aus dem Quartiersblatt 32!

Quartiersrätin Silke Homeyer

Silke Homeyer ist in den 80er Jahren als Studentin nach Tiergarten gezogen, "da war das hier eine WG-Gegend. Nach der Wende sind die Studenten woanders hingezogen, jetzt wohne ich hier nicht mehr in der WG, sondern mit meinem Mann und vier Kindern."
Damals, als Tiergarten Sanierungsgebiet war, hat sie sich im Betroffenenrat engagiert. "Unsere größte Tat war die Begrünung der Kurfürstenstraße, und die Verkehrsberuhigung."

Silke Homeyer kommt aus Hamburg, ist aber im Herzen, wie sie sagt, West-Berlinerin. "Berlin lebt überhaupt nicht von der Schönheit, sondern von der Geschichte. Berlin ist nichts fürs Auge, sondern für den Kopf." An Tiergarten gefällt ihr einerseits die Nähe zum Kulturforum, "das ist ein riesig großer Standortvorteil, man kann abends mit dem Fahrrad mal eben in den Kammermusiksaal."
Andererseits lebt sie gerne in Tiergarten, weil es "resistent gegen Chic ist". Und außerdem: "Kein Kiez kann alles leisten, er soll das machen, was er kann."

Quartiersrat Jörg Borchardt

Quartiersrat Jörg Borchardt
Quartiersrat Jörg Borchardt

"Der Quartiersrat soll mehr werden als nur eine Jury zur Mittelvergabe. Ich wünsche mir, dass er darüber nachdenkt, was längerfristig hier gebraucht wird. Was sich hier ändert, das passiert nicht nur über Geld."

Schon in den 1970er Jahren hat sich Jörg Borchardt engagiert und im Zusammenhang mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) in der Bürgerinitiative Tiergarten-Viertel mitgearbeitet. Das war die Zeit, da Bürgerinitiativen nicht nur Straßenfeste organisiert, sondern auch Kinderspielplätze gebaut haben. Der Spielplatz an der Grips-Grundschule beispielsweise geht auf diese Bürgerinitiative zurück.

Heute ist Jörg Borchardt Rentner. Nach 1989 hat der studierte Chemotechniker und Lehrer im Auftrag des Landes Berlin Projekte im Bereich der Beschäftigungsförderung besonders jugendlicher Arbeitsloser begutachtet. "Die Verbesserung der Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen liegt nicht nur im Interesse dieser Kinder und Jugendlichen, sondern auch im Interesse der langfristigen Stabilisierung der Bewohnerstruktur des Quartiers." Im Quartiersrat arbeitet Jörg Borchardt in der Arbeitsgruppe "Lokale Ökonomie, Stadtentwicklung, Sicherheit" mit.

"Was mir wichtig ist: zu verhindern, dass es zu einer weiteren Entmischung der Bewohnerschaft kommt. Es muss nichts rückgängig gemacht werden, aber es darf nicht so weiter gehen, und eine leichte Umkehrung wäre nicht schlecht, damit in den Schulen ein ausgewogenes Verhältnis entsteht."

Jörg Borchardt, ehrenamtliches Vorstandsmitglied des berlinweit mit Jugendlichen arbeitenden FiPP e.V., sieht, dass sich das Quartiersmanagement durch die Schaffung der Quartiersräte öffnen musste, "das ist denen am Anfang schwer gefallen, aber inzwischen machen die das ganz gut."

Das Quartiersmanagement ist ja als zeitlich begrenztes Stadtentwicklungsinstrument gedacht. Es könne schon sein, sagt Jörg Borchardt, dass die Bewohnerschaft aktiviert wird, damit man das QM auslaufen lassen kann. Doch das hält er für problematisch: "Die Bewohner brauchen ein Team, das kontinuierlich arbeiten kann, sowohl inhaltlich, als auch organisatorisch, ein Team aus Fachleuten, die mit den Bewohnern diskutieren - aber immer auf Augenhöhe."

Quartiersrätin Heidrun Abraham

Quartiersrätin Heidrun Abraham
Quartiersrätin Heidrun Abraham

Sie ist die Vernetzerin schlechthin. Was heißt das? Heidrun Abraham ist fest davon überzeugt, dass die Menschen ihre Potenziale stärker nutzen können, wenn sie auch stärker gefragt sind. Um gefragt zu sein, müssen die anderen in der Nachbarschaft, im Kiez, im Quartier oder in all dem, was man einen Standort nennt, aber auch wissen, was man anzubieten hat.

Es geht also um Möglichkeiten der Begegnung. Es geht darum, Feste zu feiern, zusammen zu essen, zusammen zu trinken, vor allem aber miteinander zu reden. Es geht um Gelegenheiten.
Das war der Grund, warum Heidrun Abraham vor drei Jahren das Mediennetzwerk Potsdamer Straße/Bülowstraße gegründet hat.

Sie ist selbst als Grafikerin und Designerin tätig, entwirft Logos, Flyer, Plakate, Broschüren, Internetauftritte und so weiter, und ihr ist aufgefallen, dass in ihrer direkten Umgebung viele, ja sogar sehr viele größere oder kleinere Betriebe arbeiten, die man unter dem Wort Medien zusammenfassen kann.

Wenn eine Gegend in der Berliner Innenstadt schon so ein Potenzial hat, war die Frage ob, und wenn ja, wie das stärker ausgebaut werden kann. Wenn die schon vorhandenen Unternehmen sich untereinander stärken, so die Prognose, könnte das zu einer positiven Ausstrahlung des gesamten Gebiets beitragen und weitere Unternehmen anziehen. Das wäre dann ein Aufschwung.

Sie als Mittelpunkt des Netzwerkes kennt sich natürlich ganz besonders gut aus im Quartier, und ihre Kenntnis wird im Quartiersrat gebraucht.

Quartiersrätin Esra Aydin

Quartiersrätin Esra Aydin
Quartiersrätin Esra Aydin

Manchmal standen ein paar Mütter vor der Kita Bissingzeile zusammen und redeten über dieses und jenes, über ihre Kinder, ganz sicher, über ihre Männer, vielleicht auch das. Über die Nachbarschaft, über das tägliche Brot, über Gott und die Welt.
Bis Rainer Hofmann, der Leiter der Kindertagesstätte, eines Tages auf die Frauen zuging und sie fragte, ob sie nicht ein regelmäßiges Frühstück in der Kita veranstalten wollen, einmal pro Woche. Das hätte dann den Vorteil, dass nicht nur die Frauen miteinander reden, die sich mehr oder weniger zufällig vor der Kita treffen, zu einem solchen Frühstück könnte man alle Mütter einladen.

Esra Aydin nahm das in die Hand. Und dann ging der Gedanke weiter: warum sollten eigentlich nur die Frauen zusammen kommen, deren Kinder in der Kita Bissingzeile sind, und warum eigentlich nur Mütter? Warum also nicht das Angebot auf alle Frauen ausdehnen? Seit einem Jahr organisiert Esra Aydin also das Frauenfrühstück im Nachbarschaftstreff, jeden Dienstag von 10 bis 14 Uhr.

"Ich wollte schon immer Frauen helfen", sagt sie. Beim so genannten Frauenfrühstück werden manchmal Kochkurse veranstaltet, oder Gymnastikstunden, es kommen manchmal zehn, manchmal 15, manchmal sogar 30 Frauen, sie grillen zusammen, sind auch schon zusammen in ein Hammam gegangen, vor allem aber treffen sie sich, um sich auszutauschen.

Seit neun Jahren lebt Esra Aydin im Kiez und seit 15 Jahren in Deutschland, wieder in Deutschland, um es genauer zu sagen, denn sie ist hier zur Welt gekommen, hat dann aber zwischenzeitlich in der Türkei gelebt. Als sie zurück kam, hat sie zunächst die Schule nachgeholt und sich dann zur Zahnarzthelferin ausbilden lassen. Diesen Beruf übt sie zur Zeit nicht aus.

Sie hat auch so alle Hände voll zu tun. Sie spricht sehr gut deutsch und ist deswegen bestens geeignet, als Lotsin im "Brücke-Projekt" zu arbeiten. Und das ist auf ABM-Basis ein Vollzeit-Job. Und dann kommt eben noch die Arbeit im Quartiersrat dazu, in die sie ihre Erfahrungen und ihre Kenntnisse der Nachbarschaft einbringen will.

"Ich kenne schon viele, aber jetzt lerne ich immer mehr Menschen kennen, und da erfährt man, was so läuft. Man müsste viel für die Jugendlichen machen, damit die nicht nur auf der Straße herumhängen oder sich in Sportwetten-Cafés aufhalten."

In Tiergarten lebt Esra Aydin gern, es würde ihr allerdings hier noch besser gefallen, wenn sich die Bevölkerung besser mischen würde.

Quartiersrätin Jutta Richter

Wie lange leben Sie schon hier im Kiez? Diese Frage stellt man gern Leuten, die sich besonders für ihre Wohngegend engagieren. Aus der Antwort glaubt man dann lesen zu können, welche Phasen in der Entwicklung eines Quartiers jemand schon miterlebt hat. Das soll jedoch keineswegs heißen, dass ein neu hinzu gezogener sich nicht kompetent in die Geschehnisse einmischen könnte. Jutta Richter beantwortet die Frage mit nur zwei Worten: "Schon immer." Sie ist hier aufgewachsen, sie ist hier zur Schule gegangen, nur während ihres Jura-Studiums hat sie in Wedding gewohnt.

Auf den Quartiersrat ist sie über Aushänge aufmerksam geworden, sie wohnt ja auch schräg gegenüber vom QM. Jutta Richter hat drei Kinder, das älteste ist acht Jahre, das jüngste noch ein Säugling. Das bestimmt den Blick auf ein Quartier natürlich mit. "Kann ich mein Kind allein in die Schule gehen lassen, oder ist es besser, wenn ich es begleite", das ist beispielsweise eine Frage, durch die man auf viele Details stößt, die anderen vielleicht entgehen.

Jutta Richter war auch schon im letzten Quartiersrat dabei. Sie sagt: "Es ist wichtig, einen Insiderkreis zu haben, und es ist auch wichtig, neue Leute zu finden, die bereit sind, mitzumachen, die immer wieder neue und andere Ideen einbringen."

Nach dem Studium hat sie sich zur Mediatorin ausbilden lassen. "Das ist viel mehr mein Ding." Sie hat zwar selbst noch keinen Antrag in den Quartiersrat eingebracht, aber in einem Projekt mitgearbeitet, und zwar in dem Buddy-Projekt in der Grips-Grundschule, in dem es darum ging, Kinder in die Lage zu versetzen, besser mit Konflikten umzugehen. In diesem Rahmen wurde beispielsweise ein Fußballturnier veranstaltet, in dem die Mannschaften nicht nach Klassen aufgestellt, sondern komplett gemischt wurden. Dieses Projekt war so erfolgreich, dass Jutta Richter es zusammen mit Christa Schäfer und Anja Matar über die vorgesehene Laufzeit hinaus noch eineinhalb Jahre ehrenamtlich weitergeführt hat.

Was wünscht sich Jutta Richter für die Entwicklung des Quartiers? "Ich fände es schön, wenn die bildungsnahen Eltern ihre Kinder auch hier zur Schule schicken würden, dann hätten die Schulen weniger Probleme." Dass dieses Problem sehr schwer zu lösen ist, ist ihr jedoch bewusst.

text: BuM (QB 33); fotos: N.N.