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Von Streetwork bis Straßensperrung: Runder Tisch zur Prostitution rund um Potsdamer und Kurfürstenstraße

Ecke Potsdamer/Kurfürstenstraße

Bezirksbürgermeister Band hatte ins Rathaus Schöneberg eingeladen, und alle waren sie gekommen: die komplette Riege der Tempelhof-Schöneberger Stadträt/innen, Polizei aus den zuständigen Abschnitten in Schöneberg und Tiergarten, Vertreter/innen von Hydra, Olga und dem Bundesverband der Prostituierten, vom Verein Fixpunkt und von Subgway, aus der 12-Apostel-Gemeinde, vom QuartiersRat Tiergarten Süd, aus beiden Bezirksämtern und von beiden QMs, Leute vom Landeskriminalamt und aus dem Innensenat, kurz:
Die "Szene" rund um Potsdamer und Kurfürstenstraße und ihre aktuellen Entwicklungen sind und bleiben offensichtlich ein wichtiges Thema - hier finden Sie einen Überblick über die Geschehnisse bisher und über die Medien-Berichterstattung zum Thema.

War der Anstoß zum Treffen zwar die befürchtete Einrichtung eines Großbordells an besagter Straßenecke gewesen, so ging es beim runden Tisch nicht ums Genehmigungsrecht und seine Facetten, sondern um die Situation rund um das Sexkaufhaus LSD, vornehmlich im Kurfürsten- und Frobenkiez.
Das machten schon die Kita-Kinder aus der Frobenstraße klar, die zu Beginn des Treffens einen Protest-Brief und gemalte Wünsche - eine Spielstraße, Grünflächen, ein Straßenmarkt, ... - ganz greifbar auf den Tisch legten.

Kita-Kinder
Kita-Kinder überreichen Bürgermeister Band ihre Wünsche für die Frobenstraße

Derzeit, so der allgemeine Eindruck der Anwesenden, verlagert sich die Szene: Ganze Gruppen von Prostituierten (samt den dazu gehörigen Freiern) haben sich im Kiez verschoben, die Lage ist im Umbruch, Plätze werden neu verteilt. Noch seien es nicht weniger Frauen geworden, auch das Problem mit der aggressiven "Anmache" potenzieller Kunden bestehe weiterhin.

Mit den Vorschlägen, die das Plenum zusammen trug, sollen sich zukünftig kleinere Arbeitsgruppen gezielt beschäftigen:

Vor-Ort-Projekte wie die Sprachmittlerinnen zeigen erste Erfolge - solche Streetwork-Angebote sollen ausgebaut werden, auch der Aufbau von Freier-Arbeit wäre eine Möglichkeit.

Man könnte so genannte "Verrichtungsboxen" aufstellen: Die Autos fahren in garagenähnliche Verschläge, in denen die Fahrertüre durch die Wand blockiert ist, die Frauen aber über die Beifahrertür ein- und aussteigen können. Auch für Kondom-Automaten und einen Not-Knopf ist Platz, und die Kinder aus Kitas und Grundschulen im Karree würden beim Versteck-Spielen nicht mehr auf Paare beim Geschlechtsverkehr stoßen, so die Hoffnung - vordringliche Frage ist jedoch, wo man solche Boxen aufstellen könnte.

Vielleicht sollte man die nördliche Frobenstraße ganz sperren, so ein Vorschlag. Anwohner und die Eltern von Kita-Kindern sind genervt über die aktuellen Umverteilungs-Rangeleien:
Nun mischen sich dort unter die Frauen, die "immer schon da" waren, weitere Frauen vom Drogenstrich und Neuankömmlinge vor allem aus osteuropäischen Staaten, und teils wird es beim Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Gruppen und Kulturen ziemlich laut in der Straße...

Die Plätze sollten kontrolliert vergeben werden, so eine weitere Idee, oder Prostitution sollte nur zu bestimmten Tageszeiten erlaubt sein.

Auch der Wunsch nach einer Überprüfung, ob man nicht ordnungsamtlich gegen das LSD vorgehen kann, wurde laut: Darf man an dieser Stelle überhaupt einen Sex-Laden betreiben?
Immerhin ist ab der anderen Straßenseite in Tiergarten Süd das gewerbemäßige Zurschaustellen von nackten Körpern durch den Bebauungsplan untersagt - derselbe Sex-Laden ein paar Meter weiter wäre also gar nicht erlaubt.

Runder Tisch
Die Tempelhof-Schöneberger Bezirksstadträt/innen und weitere Akteure wollen sich ein einem halben Jahr wieder in großer Runde treffen.

- Sobald die Arbeitsgruppen zum jeweiligen Thema Neuigkeiten zu vermelden haben, informieren wir Sie natürlich hier im Internet. Auch über die Treffen der "Arbeitsgruppe Kurfürstenstraße", die es innerhalb des Präventionsrats Schöneberger Norden schon einmal gegeben hatte und die eben in Neugründung begriffen ist, werden wir berichten.

Spätestens in einem halben Jahr geht es dann wieder in die große Runde:
Dann tragen alle zusammen, was in der Zwischenzeit passiert ist, und gemeinsam werden die nächsten Schritte überlegt.
Denn dass die Bemühungen, zwischen Strich und Anwohnern ein gut lebbares Gleichgewicht herzustellen, nicht innerhalb von ein paar Wochen als Thema vom Tische sein werden, sondern neben aktuellen Entscheidungen ein langer Atem gefragt ist - das war der ganzen Runde nur zu klar.

text: wolk; fotos: wolk (1), Klinnert (2)