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September 2005: Von Malerei bis Mitternachts-Führung- die Magistrale 2005 war ein voller Erfolg

250 Künstler an über 70 Orten: Vom Nachmittag an bis tief in die Nacht bespielten am 3. September Kulturschaffende Läden, Gehsteige und Häuserwände – zur Freude des riesigen Publikums.
Menschen, die sich – mit einem großen orange-blauen Blatt Papier in der Hand – um sich selber drehen, nach Straßenschildern schielen, die Köpfe zusammenstecken und dann zielgerichtet ein paar Schritte die Potsdamer Straße hinunter laufen: Dieses Bild konnte man am Samstag, 3. September, die ganze lange Hauptverkehrsstraße längs immer wieder beobachten. Zufall war das nicht: In Scharen und weit über den Kiez hinaus waren fröhliche Menschen in den Kiez gekommen, um bei der großen Magistrale Kulturnacht 2005 mit dabei zu sein.

Das erste Mal zog sich dieses Jahr die Kulturnacht wirklich über die ganze Potsdamer Straße vom Landwehrkanal bis hinunter zum Kleistpark: Die schier unglaubliche Zahl von 250 Künstlerinnen und Künstlern präsentierten sich an ebenso unglaublichen mehr als 70 verschiedenen Orten!
Dass in Tiergarten-Süd das große Event nun schon ins dritte Jahr geht und so schon Tradition hat, ließ sich an dieser fast unüberschaubaren Fülle des gebotenen Programms unschwer erkennen.
Wir können Ihnen hier im Quartiersportal leider nur einen kleinen Ausschnitt aus diesem bunten, engagierten, überrachenden und vielfältigen Treiben widerspiegeln:
Beispielsweise wurde im Rahmen eines Hoffestes mit Ausstellung und Leckereien am Haus der Fleischerei Staroske eine Gedenktafel an Marlene Dietrich enthüllt.

Portraits, Gemälde, Fotografien und Installationen waren auch in zahlreiche Räume und Läden in der Nachbarschaft eingezogen. Nicht nur die Galerie der Künste GdK bot auf gleich drei Etagen Bildhaftes und Performance, vom Blumenstudio über den Motorrad-Laden bis zur Apotheke oder dem Schreibwarengeschäft dienten Schaufenster als Ausstellungsflächen. Und einige der normalerweise eher versteckten Hinterhöfe entpuppten sich als ideale Fest-Orte...

Das Elisabeth-Krankenhaus an der Lützowstraße stand im Zeichen arabischer Kunst und Kultur (haben Sie zuvor schon mal einen Klangwunschbaum gesehen?), das Anton-von-Werner Haus im Hof des Tagsesspiegels öffnete seine Atelier-Zimmer dem Publikum – während vorne im Verlagshaus Literaturfreunde Lesungen lauschten oder Kinder die Angebote im Wintergarten-Hof genossen.

Im Wegert-Haus an der Kurfürstenstraße (gegenüber Woolworth) hatten junge Künstler kurzfristig Logis bezogen, und ein Shaolin-Mönch – Überbleibsel einer Straßen-Performance unten vor dem Haus – schaute sich nach seinem Auftritt in der Pohlstraße um, die im venezianischen Flair glänzte.

Ein Kurzfilm-Marathon bei der Contra-Medienwerkstatt, zahlreiche Vernissagen in Ateliers, Cafés, Kreativ-Läden und eine grandiose Aufführung von Fritz Langs Stummfilm "Metropolis" open Air und mit Live-Pianomusik vor den U-Bahn-Bögen ließen so manchen wünschen, man könnte sich mal eben klonen, um alles mitzubekommen. Mal ganz abgesehen von den vielen Feiern in Galerien und an anderen Orten, die sich beschwingt bis in die Morgenstunden hineinzogen...

Vielleicht war das auch der einzige wirkliche Schwachpunkt der Magistrale: Selbst wer nicht vom Beginn am Nachmittag an bei all den Ausstellungen, Mitmach-Angeboten, Vorführungen oder Führungen dabei war, sondern erst in den Abendstunden startete, stöhnte irgendwann trotz des halbstündlich verkehrenden Magistrale-Shuttles über geschundene Füße und eine Überflutung von Eindrücken.
Schließlich hat die Magistrale inzwischen eine Bekanntheit weit über den Kiez hinaus erlangt: Etwa die Hälfte der Aktiven waren Freunde oder Gäste der auch für sich genommen schon großen Kiez-Kunst-Szene - und das jährliche Event zieht inzwischen Kreative auch über Berlins Grenzen in einen ansonsten eher mit schiefen Blicken betrachteten Kiez, es ist so eine Art Mikro-Dokumenta gleich vor der Haustüre geworden.

Nicht nur einmal war deswegen der verständliche Wunsch zu hören, das tolle Angebot ein bisschen zu strecken, ein Magistralen-Wochenende zu machen statt nur einer sehr langen Nacht.
Mal sehen, ob das vielleicht im kommenden Jahr möglich wird – demnächst werden bei einem Nachtreffen die beteiligten Künstler die Kulturnacht aus ihrer Sicht noch einmal revue passieren lassen und vielleicht auch schon Pläne fürs kommende Jahr schmieden. Vor zu wenigen Teilnehmern, Akteuren und Publikum braucht sich voraussichtlich niemand zu fürchten!
Ein dickes Dankeschön sei auch auf diesem Wege noch mal allen Beteiligten gesagt: Den beiden Quartiersmanagements Tiergarten-Süd und Schöneberg Nord, dem k&k Kulturmanagement, und natürlich allen Künstlerinnen und Künstlern! Wir freuen uns schon jetzt aufs nächste Mal...






