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1.700 Protest-Karten und gute Argumente: Laufbordell soll gestoppt werden
Quer über die Bezirksgrenzen sprechen sich Anlieger gegen das geplante Bordell an der Potsdamer/ Ecke Kurfürstenstraße aus - die Schöneberger Bezirksstadträt/innen bestätigten bei einer Info-Veranstaltung am 11. Oktober, dass sie gegen den Antrag stimmen wollen, weitere Treffen auch mit Kolleg/innen aus dem Bezirk Mitte sind geplant. -
Proppevoll war der große Saal des "PallasT" am 11. Oktober: Die Tempelhof-Schöneberger Stadträtin Frau Schöttler hatte zum Informationstermin rund um das beantragte Bordell an der Ecke Potsdamer und Kurfürstenstraße eingeladen, und gekommen waren – neben der kompletten Riege der Bezirksstadträt/innen – rund 200 Interessierte.
Das Thema beschäftigt seit einigen Tagen nicht nur Anwohner/innen und Geschäftsleute im Kiez, sondern auch die Berliner Medien bringen beinahe täglich Beiträge darüber – hier erfahren Sie mehr zum bisherigen Geschehen und zur vorangegangenen Entwicklung im Kiez, weitere aktuelle Informationen bietet unser Pressespiegel zum Thema.
Sowohl Bezirksbürgermeister Band als auch Baustadtrat Krömer bestätigten, dass der Bezirk mit allen Mitteln versuchen werde das Bordell zu verhindern. Dafür seien jedoch Argumente der Anlieger wichtig: An der besagten Straßenecke ist ein Bordellbetrieb vom Baurecht her schwierig abzulehnen. Beide hier aneinander stoßenden Stadtteile gehören jedoch ohnehin zu den „sozial belasteten“ Gebieten, die mittels Quartiersmanagement und entsprechendem Geld-Einsatz gefördert werden. Gerade hier droht eine noch weiter wachsende Prostitutionsszene Stabilisierungs-Erfolge wieder zunichte zu machen.
Schon jetzt, so die Diskussions-Teilnehmer/innen, hätte sich die Situation verschärft. Und ein Bordell bedeutet nicht, dass die Prostituierten vom Straßenstrich dann dorthin "umziehen" werden, so eine Vertreterin der Prostituierten-Organisation Hydra. Straße und Haus sind zwei verschiedene Arbeitsbereiche, das Haus käme also an dieser Stelle neu dazu.
Die allgemeine Befürchtung ist, dass durch das Bordell die Lage vollends kippt – das machten Vertreter/innen unterschiedlicher Interessengruppen und Anwohner/innen der an der Kurfürstenstraße aneinander grenzenden Stadtteile Schöneberger Norden und Tiergarten Süd klar:
Durch das Mediennetzwerk °mstreet und die Interessengemeinschaft IG Potsdamer Straße hat sich das Image des Gewerbestandorts und somit die Lage für das Gewerbe vor Ort in der letzten Zeit verbessert – das Laufbordell zusätzlich zum Straßenstrich könnte die positive Entwicklung wieder hinfällig machen.
Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche verlieren ihre gute Wirkung, wenn die Jüngeren wegen der wachsenden Prostitutions-Szene den öffentlichen Raum – Straßen, Plätze oder Spielplätze – nicht mehr ungestört nutzen können. Einige Familien überlegen schon jetzt wegzuziehen, so eine Kita-Mitarbeiterin, was die noch relativ stabile Lage vor Ort weiter verschlechtern würde.
Anwohnerinnen befürchten, noch öfters als schon bisher beim täglichen Einkauf von Freiern angesprochen zu werden, Männer berichten von zunehmend aggressiven Anbagger-Versuchen seitens der Prostituierten, und sowohl die Gemeindemitglieder der benachbarten Samarkand-Moschee als auch der Zwölf-Apostel-Kirche besuchen ihre Gotteshäuser inzwischen „mit gesenktem Haupt“.
Mehr als 1.700 Unterschrifts-Karten gegen das Laufbordell hat Bürgermeister Band beim Infotermin in Empfang genommen, und es werden – der Stimmung nach zu urteilen - nicht die letzten gewesen sein. Auch Bands Kollegen aus Mitte, Herrn Hanke, erwartet noch ein gleich großes Paket.
Und das deutet auch schon auf die zukünftigen Planungen hin: Weitere Treffen sollen stattfinden, wieder mit dem gesamten Tempelhof-Schöneberger Bezirksamt, aber dann auch mit Vertretern aus Mitte.
Denn mag das ehemalige Wegert-Haus auch auf der Schöneberger Straßenseite liegen: Die Kurfürstenstraße ist genau die Bezirksgrenze, vor der soziale Probleme und ihre Auswirkungen nicht halt machen – auch Tiergarten Süd ist von den Geschehnissen jenseits der Schöneberger Bezirksgrenze massiv betroffen.











