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Wer war Ottilie Pohl?

 
Ottilie Pohl, so erfährt man bei einem Blick auf die Informationstafel am Straßenschild der Pohlstraße, war Tiergartener Stadtverordnete der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD). Geboren wurde sie am 14. November 1867 in Schönwalde in der Niederlausitz, umgebracht 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Die gelernte Putzmacherin verließ als relativ junges Mädchen ihre Heimat und ging nach Berlin, wo sie sich bessere Zukunftschancen erhoffte. Schon früh engagierte sich Ottilie Pohl in einem Arbeiterbildungsverein für Mädchen und Frauen. Nach dem Fall des Bismarck'schen Sozialistengesetzes (1890) trat sie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei, als deren Beauftragte sie in Moabit wirkte.

Die Kommunalpolitikerin war erklärte Kriegsgegnerin, gemeinsam mit ihrem Sohn verbreitete sie die "Spartakusbriefe" und andere Blätter der Spartakusgruppe. Während des ersten Weltkrieges trat sie der USPD bei und wurde 1920 als Abgeordnete ihrer Partei in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Sie arbeitete in verschiedenen Ausschüssen wie etwa der Armen- und Schulkommission mit.

Nach dem Machtwechsel 1933 engagierte sich Ottilie Pohl aktiv als Widerstandskämpferin gegen das Nazi-Regime und arbeitete unter anderem in der "Roten Hilfe Deutschland". Hier organisierte sie mit anderen Frauen die Betreuung von Kindern, bei denen ein Elternteil verhaftet worden war, oder sammelte Geld für Angehörige inhaftierter Menschen. 1940 wurde Ottilie Pohl zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie einem kommunistischen Funktionär und Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) eine Unterkunft bei Bekannten vermittelt hatte: Ihr wurde vorgeworfen, mit dieser Tat einen Hochverrat vorzubereiten. Nach ihrer Entlassung aus dem Frauengefängnist Ende 1941 setzte sie ihre Arbeit jedoch fort.

Im November 1942 wurde sie schließlich - folgt man den meisten Quellen - aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach Theresienstadt deportiert. Dort starb die 76jährige im Dezember 1943.
 


text/foto: msch