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„Als ich jung war in Berlin...“ - Willi Kollos Erinnerungen an seinen Vater Walter

Potsdamer Straße 54, heute 134, zwischen Post und Bolle

Als unbekannter aber hochbegabter Kapellmeister Walter Kollodzieyski kam er 1902 in die „Kaiserstadt Berlin“, als weltberühmter Komponist Walter Kollo starb er 1940 ebendort mit nur 62 Jahren. Er hatte die Herausforderung in der Hauptstadt des Kabaretts und der Revuen gesucht, gefunden und bestanden. Mehr als 50 Operetten und Revuen, ungezählte Couplets, Lieder und Chansons hatte er komponiert. Auf die Operette, im Paris des 19. Jahrhunderts von Jaqcues Offenbach kreiert, schien seinerzeit Wien die Monopolrechte zu halten.

Walter Kollo hat sie den Österreichern streitig gemacht und das Genre für Berlin erobert. Zu seinen berühmtesten Werken gehören „Drei alte Schachteln“ und „Wie einst im Mai“, woraus die Lieder „Die Männer sind alle Verbrecher“, „Untern Linden, untern Linden“ und „Es war in Schöneberg im Monat Mai“ zum Kulturerbe der Stadt gehören. Walter Kollo hat den Berliner Ton zwischen 1900 und der Nazizeit getroffen, in seinen Liedern hat die Stadt sich selbst erkannt. Das sind die kulturellen Leistungen, die man dann später identitätsstiftend  nennt.

Walter Kollo hatte einen Sohn namens Willi, Jahrgang 1904, also zu Beginn der so genannten Goldenen Zwanzigern gerade im richtigen Alter, sich selbst auf die Sache einen Reim zu machen und diesen dann mit dem vom Vater geerbten oder abgelauschten Talent zu vertonen. Er machte genau da weiter, wo sein Vater aufgehört hatte. Willi Kollo schrieb Kabarett-Revuen, Schlager, musikalische Komödien und Filmmusiken. Und er hat, bevor er 1988 starb, Erinnerungen an seinen Vater und dessen künstlerischen Aufstieg notiert. Diese Erinnerungen konnte er selbst nicht mehr zu einem Buch abrunden, sie blieben im Nachlass liegen.

Willis Kinder sind Marguerite und René Kollo. Letzterer wurde als Sänger weltberühmt und Marguerite ist als Musikverlegerin und Künstleragentin ebenfalls in der Branche geblieben. Und als Verwalterin des Nachlasses ihres Vaters wie ihres Großvaters. Die Erinnerungen Willi Kollos hat sie nun als Buch herausgebracht: „Als ich jung war in Berlin ...“ (Schott Musikverlag, 368 Seiten, 22,80 Euro).

Was das Buch vor allem lesenswert macht, ist die Nähe, aus der die Ereignisse dieser Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und der Zeit zwischen den Weltkriegen erzählt werden. Es sind Geschichten aus dem kulturellen Leben der Stadt, in der ein naturgegebener pampiger Zungenschlag zur Frechheit veredelt wurde, die schon bald gewissermaßen zum guten Ton gehörte. Es mag in jenen Zeiten heißere Tänze auf dem Vulkan gegeben haben, als die, bei denen Willi Kollo mitgetanzt hat – diese aber klingen uns heute noch, wenn auch aus der Ferne, im Ohr. So hat sich die Stadt damals selbst erlebt, und heute kann man dazu nur sagen: Sehnse, det war Berlin.

Im Haus in der Potsdamer Straße 54 lag unten ein Schuhgeschäft und neben einem Korsettgeschäft eine Filiale der Kaffee-Firma „A. Zuntz sel. Witwe“. Ich zerbrach mir den Kopf über die Firmierung und hielt die schlanke Verkäuferin, die zu mir stets so freundlich war, für Frau Zuntz persönlich. Sie trug stets eine in reichen Jabots auslaufende schwarze Seidenbluse mit einem zarten Gaze-Kragen, der von Fischbeinstäbchen gehalten wurde. Als ich meinen Papa fragte, wieso sie „Zuntz selige Witwe“ heiße, erklärte er mir das derart, dass ich für die Zukunft Humor erfahren durfte. Der alte Herr Zuntz, sagte er, sei gestorben und habe seiner Frau alles an Geld, an Kaffee und Filialen hinterlassen, was er zuvor besaß. Er sei schon recht alt gewesen und habe seine Frau, die Witwe, oft daran gehindert, so lustig zu sein, wie sie es verdient hätte. Da er nun gestorben und sie im Besitz seines ganzen Reichtums sei, noch dazu allein und frei, in einer Welt voll hübscher junger Männer, sei es ganz natürlich, dass sie darüber als Witwe selig sei. Um das allen zu zeigen, nenne sie sich darum „Zuntz sel. Witwe“. Das leuchtete mir ein.

text: BuM (QB 41)